Sonntag, 8. März 2020

Christine Cazon: Vollmond über der Cote D’Azur

Ein französischer Krimi einer deutschen Autorin, die an der Cote d'Azur lebt? Da bin ich gespannt. Christine Cazon hat schon sieben Krimis veröffentlicht. Sie spielen alle in Cannes und im Umland von Cannes. Ihr Protagonist ist Kommissar Léon Duval, aber auch seine Familie und die Stadt spielen in ihren Romanen eine wichtige Rolle.

Im Podcast Anja Goerz die_schreibenden:  Christine Cazon- Sonderpodcast auf Soundcloud wurde die Autorin zu ihrem neuen Kommissar-Duval-Krimi interviewt. Hier das Transskript:
“Ich habe mein neues Buch mitgebracht, das ist gerade erschienen im April bei Kiepenheuer und Witsch “Vollmond über der Cote d'Azur”, der siebte Band einer Krimireihe rund um den Kommissar Leon Duval. Der Krimi spielt in Cannes an der Cote d'Azur, wie eigentlich alle Bücher, denn ich lebe in Cannes. Worum geht’s? Es ist April in Cannes, das Wetter ist wechselhaft, es ist kurz vor Ostern, der Kommissar erwartet zu diesem Termin Besuch und seine Freundin Anni ist hochschwanger. Das kann schon reichen als Herausforderungen, aber dann stirbt in einem Bistro eine junge Frau unter zunächst sehr unklaren Umständen und der Mann, mit dem sie gekommen war, Ist verschwunden als der Notarzt eintrifft. Das ist eine verwickelte Geschichte. Duval übernimmt diesen Fall und es geht dabei um Kunst, um Drogen und um Prostitution und Duvals Familie nimmt ebenfalls viel Raum ein in diesem Roman. Der Roman hat viel mit Cannes zu tun tun und vieles was ich darin erzähle ist von der Realität inspiriert. Das gilt eigentlich für alle Bände, die ich in Cannes schreibe.  Ich schreibe eine Mischung aus Realität und Fiktion. Der Roman ist Teil einer Reihe, das ist also der siebte Kriminalroman. Die Fälle sind jeweils abgeschlossen, das Privatleben des Kommissars wird aber fortlaufend erzählt. Cannes und Südfrankreich werden erzählt und zwar so, wie ich es dort erlebe. Cannes Ist ja nicht nur die Stadt des Filmfestivals, des Glamours und des Luxustourismus. Cannes hat auch immer noch was von diesem ursprünglichen Fischerdorf und Immer noch sehr viel provinzielle und kleinbürgerliche Strukturen. Und durch dieses Nebeneinander von sehr viel zur Schau getragenem Reichtum und sehr viel bescheidenem Leben, entstehen viele Konflikte, und das versuche ich zu erzählen. Ich habe immer einen Blick auf die Situation der sogenannten kleinen Leute, auf die Fischer, auf die afrikanische Straßenhändler oder im Hinterland die Bauern oder Landwirte, die Schäfer und Landwirte.”

Genau das hat mir an diesem Roman so gut gefallen. Nicht Mord und Totschlag, nicht Gewalt und Verbrechen stehen im Mittelpunkt des Romans, sondern das “Drumherum” um einen Todesfall, um einen grundsoliden, sympathischen Kommissar (mit kleinen charakterlichen Schwächen) und seine Familie und um einen XXX Schauplatz. Man lernt eine Menge über die Verhältnisse in Südfrankreich, und wenn man manches geahnt hat, findet man es hier bestätigt. Zum Beispiel die Bedeutung des Essens und Kochens für ein gedeihliches Familienleben in Frankreich. Für eine deutsche Autorin immer wieder eine Herausforderung.

Es gibt für mich auch Überraschendes zu lesen und zu erfahren. 
In einer Privatklinik geht es zu wie in Deutschland vor 30 Jahren, mit Zwei- und Vierbettzimmern und "Waschgelegenheit" auf dem Zimmer. Und dass die französische Bürokratie die deutsche um Längen schlägt, was die Einhaltung von Zuständigkeiten und Hierarchien angeht, war mir auch neu. Man denkt ja immer, das eigene Land sei in dieser Hinsicht am schlimmsten. "werch ein illtum".


Über Kommissar Duval heißt es:
»Welches Sternzeichen bist du eigentlich, Léon?  »Jungfrau«, sagte Duval.»Jungfrau«, wiederholte Ben und tippte in sein Smartphone. »Oh«, sagte er. »Die typische Jungfrau ist analytisch, ehrlich, arbeitsam, pflichtbewusst...«,las er vor. 
Das gefällt mir. Ich bin im gleichen Sternzeichen geboren. 

Also eine klare Leseempfehlung für ruhige Tage und entspanntes Lesen. Wer sich für das französische Milieu interessiert und es gerne etwas politischer mag, dem empfehle ich außerdem die Trilogie von Izzo (Die Marseiller Trilogie: Total Cheops, Chourmo, Solea) und das Buch seiner Quasi-Nachfolgerin Dominique Manotti: Schwarzes Gold.

 Die Izzo-Trilogie gibt es auch als Hörspiele beim Deutschlandfunk:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/marseille-krimitrilogie.3996.de.html

Christine Cazon: Vollmond über der Cote d'Azur. KiWi-Taschenbuch, 2020.


Mehr Info zu Christine Cazon: http://christinecazon.fr/blog/