Montag, 14. September 2026

“Es muss nicht immer Kaviar sein” ...

 Urlaub 2026 in Südfrankreich.

Unsere großzügig dimensionierte Ferienwohnung auf zwei Stockwerken im abgelegenen Örtchen Saurat im Ariège hält in der Bibliothek eine handfeste Überraschung bereit:


Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet ein Buch des Bestsellerautors Johannes Mario Simmel in einem bildungsbürgerlichen Haushalt im tiefsten Süden Frankreichs? Ich bin perplex, blättere darin und finde tatsächlich auch noch die Kochrezepte, die mein Leben später bereichert haben.

Das Buch hatte in den frühen 60er Jahren die große Welt in mein kleines Zuhause in Rastatt gebracht. „Lady-Curzon-Suppe“ und „Ente chinesisch“ waren so exotisch wie nichts, was auf unseren Tisch kam. Die angebotenen Hammelnierenschnitten schreckten mich vermutlich eher ab. Hier erfuhr ich auch, wie man Spaghetti Bolognese richtig zubereitet. Der Hinweis des Autors, dass man sie beim Verspeisen mit einer Gabel auf dem Löffel aufrollt, hat in Deutschland vermutlich dazu geführt, dass es jeder angebliche „Kenner der italienischen Lebensart“ genauso machte, wenn dies in Italien auch eher ungewöhnlich war, wie ich viele Jahre später erfahren durfte.


Reproduktion aus der Bertelsmann-Ausgabe von 1964

    Auch meine Mutter war von den Rezepten des Buchs beeindruckt. Die überbackene Zwiebelsuppe aus dem Buch hat sie hin und wieder an Festtagen serviert. Sie hat mir immer geschmeckt und vermutlich liegt hier auch die Quelle für mein späteres Interesse an Gerichten wie Moules marinière und Kalbsschnitzel Cordon bleu. Letzteres lernte ich dann im Zivildienst in den frühen 70er Jahren kennen, als ein Koch der Einrichtung, in der ich tätig war, einen Kochkurs anbot, der mit Kalbsschnitzel Cordon bleu seinen Höhepunkt und Abschluss fand.


Meine Leseexemplar in den 60er und 70er Jahren


   Ich habe das Buch in den letzten 60 Jahren dreimal gelesen. In den frühen 60er Jahren war es für mich ein witziger und unterhaltsamer Roman, in den frühen 70ern las ich es als humorvolle Einweisung in die unterschiedlichen Lebensstile und Kulturen Europas sowie als inspirierendes Kochbuch.  Doch erst vor wenigen Jahren ist mir aufgegangen, dass es vor allem ein politisches Buch vom Widerstand in dunklen Zeiten ist, verpackt in eine Abenteuergeschichte im Chaos der 40er Jahre.

   So finden sich im Teil, der nach dem Ende des Krieges spielt, zwischen den Rezepten immer wieder Informationen zur katastrophalen Ernährungslage der Bevölkerung in den besetzten Zonen. Da mehrere Kapitel des Buches im besetzten Baden-Baden des Jahres 1945 spielen – dem Ort, an dem meine Mutter zur gleichen Zeit im Casino der französischen Besatzungsmacht als Beiköchin und Kaltmamsell arbeitete –, ist die Lektüre für mich natürlich besonders reizvoll.  

Meine Empfehlung: Unbedingt lesen!

Mehr bei: https://de.wikipedia.org/wiki/Es_mu%C3%9F_nicht_immer_Kaviar_sein_(Roman) 


Mittwoch, 9. September 2026

27. Juni 2026

 Im Garten Aglasterhausen; 15:16 Uhr



Montag, 29. Juni 2026

Once Upon A Time

 Aus meinem Notizbuch vom Juli 1987:



Mittwoch, 3. Juni 2026

Agnès Poirier: An den Ufern der Seine

 


Informativ, unterhaltsam, atmosphärisch dicht

“An den Ufern der Seine ist weder literarische Fiktion noch akademische Analyse, sondern ein erzählerisches Porträt des Pariser Lebens in der Zeit zwischen 1940 und 1950: eine Rekonstruktion, eine Bildcollage, ein Kaleidoskop von Schicksalen, das auf verschiedenen Quellen und Dokumenten beruht”, schreibt die Autorin auf S.29.

Zu diesen Schicksalen gehören Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus, Boris Vian, Samuel Beckett, Arthur Koestler, Juliette Gréco, Richard Wright und viele andere.
Agnes Poirier gibt einen informativen, atmosphärisch dichten und gleichzeitig unterhaltsamen Einblick in die Lebensumstände und Arbeitsbedingungen französischer Künstler und Intellektueller vom Beginn des Krieges bis zur Befreiung von Paris und den unmittelbaren Jahre danach. Einer Zeit des politischen und ökonomischen Abstieg Frankreichs und des gleichzeitigen Aufstieg als ‘kultureller Supermacht’. Sie erkundet die Ursprünge des Existenzialismus, sieht in Simone Beauvoir, aber auch in Brigitte Bardot und Francoise Sagan die Emanzipation der Frau und den Feminismus am Horizont auftauchen. Sie beschreibt die fatale Attraktivität der kommunistischen Parteien für viele Intellektuelle und welche Anziehungskraft das Pariser Milieu auf amerikanische Künstler, schwarze Musiker und Schriftsteller hatte.

Vielfältige Quellen zieht die Autorin heran und ihre Sprachkenntnisse erlauben ihr auch eine Auseinandersetzung mit amerikanischen und englischen Quellen im Original.

Ich hätte dennoch einige kleinere Einwände, die aber den Gesamtcharakter des Buches nur unwesentlich beeinflussen:
Brigitte Bardot als “neues Gesicht des Feminismus” (S.28) zu bezeichnen, scheint mir recht gewagt zu sein. Das gleiche gilt für die Rolle von Francoise Sagan, die laut Agnes Poirier in die Fußstapfen von Simone de Beauvoir trat (S.196).

Quellenkritik ist nicht die Stärke der Autorin, so im Fall von Gerhard Heller, dem deutschen Zensor der Besatzungsregierung, den sie für meinen Geschmack zu unkritisch zitiert.
Andere Mängel und Fehler hätte ein aufmerksames Lektorat vermeiden können: Sartre geriet 1940 ganz unspektakulär in deutsche Kriegsgefangenschaft (Im Elsass, in der Gegend von Brumat) und wurde nicht “verhaftet”, wie es auf S.55f heißt. Die Porte d’Italie liegt nicht im Nordwesten von Paris (S.117), sondern logischerweise im Südosten. Ein Satz wie: “Jedem Franzosen standen [1946, R.W.] drei Scheiben Brot täglich zu, mehr als die Nazis ihnen 1942, im schlimmsten Kriegsjahr, gewährt hatten” (S.180) erscheint mir nicht logisch. Es hätte wohl ‘weniger’ heißen müssen.

Ebenso undurchsichtig ist das Layout für Zitate. Manchmal werden sie eingerückt, oft aber in den Text integriert, manchmal im Original, manchmal in übersetzter Form abgedruckt. Das System erschloss sich mir nicht wirklich.

Das Buch enthält dankenswerter Weise eine Zeittafel, ein ausführliches Personenregister und einen Anmerkungsapparat, aber kein Quellenverzeichnis und kein Verzeichnis der benutzten Literatur.

Man kann das Buch als flott geschriebene Klatsch- und Tratschgeschichte des französischen (und das heißt: des Pariser) intellektuellen Lebens und der ideologischen Kontroversen zwischen 1940 und 1950 lesen und qualifizieren, muss aber nicht, denn die Autorin überzeugt mit ihren treffenden Charakterisierungen, der prägnanten Sachdarstellung und vor allem, und das hat mich überrascht, der Darstellung der vielfältigen Beziehungen zwischen französischen und amerikanischen Intellektuellen und Künstlern in der Nachkriegszeit.

Resümee:

Eine Lektüre, die man unbedingt empfehlen kann. Wer in den philosophischen Streitfragen der damaligen Zeit tiefer eintauchen will, dem empfehle ich jedoch das Buch von Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten.
(Punktabzug nur für die Schwächen beim deutschen Lektorat.)

Sonntag, 1. März 2026

Lost in ...

  26.2.2026 

Am Tag zuvor habe ich mein Handy vermisst. Trotz intensiver Suche war es nirgends zu finden: weder im Haus noch im Auto noch in meinen Klamotten.  Ich habe es mit meinem Tablet angerufen, Sabine hat es mit ihrem Handy angerufen – ohne Erfolg. Nichts, kein Ort, nirgends.

Nach kurzer Recherche ein Tipp von Google. Auf meinem Handy starte ich im Browser android/find - und siehe da: Mein Handy wird gefunden. Es befindet sich in der Nähe in einem Supermarkt, in dem ich am Nachmittag eingekauft habe.

Am nächsten Vormittag fahre ich dorthin. Nach einem kurzen Wortwechsel und einem Blick auf das Google-Foto geht die Marktleiterin in das Büro und kommt mit dem Handy wieder zurück. Es wurde über Nacht im Safe sichergestellt. Wer es aber gesichert hat, ist nicht bekannt. Mit Dank verabschiede ich mich, dankbar auch dem Google-Findesystem.





Dienstag, 3. Februar 2026

Ich, Donald, Kaiser und Gott

© Tsp Screenshot/X (ehem. Twitter)/@WhiteHouse
 

Made my day:

"Der sogenannte „Friedensrat“ war von Trump vor Kurzem ins Leben gerufen worden. Das Gremium ist so strukturiert, dass Trump Vorsitzender auf Lebenszeit ist, selbst über die Aufnahme von Mitgliedsländern entscheidet und in allen Fragen ein Vetorecht hat. Länder, die länger als drei Jahre der Gruppe angehören wollen, müssen mindestens eine Milliarde US-Dollar in bar an Trump übergeben."

Freitag, 9. Januar 2026

Meine Straße