Urlaub 2026 in Südfrankreich.
Unsere großzügig dimensionierte Ferienwohnung auf zwei Stockwerken im abgelegenen Örtchen Saurat im Ariège hält in der Bibliothek eine handfeste Überraschung bereit:
Das Buch hatte in den frühen 60er Jahren die große Welt in mein kleines Zuhause in Rastatt gebracht. „Lady-Curzon-Suppe“ und „Ente chinesisch“ waren so exotisch wie nichts, was auf unseren Tisch kam. Die angebotenen Hammelnierenschnitten schreckten mich vermutlich eher ab. Hier erfuhr ich auch, wie man Spaghetti Bolognese richtig zubereitet. Der Hinweis des Autors, dass man sie beim Verspeisen mit einer Gabel auf dem Löffel aufrollt, hat in Deutschland vermutlich dazu geführt, dass es jeder angebliche „Kenner der italienischen Lebensart“ genauso machte, wenn dies in Italien auch eher ungewöhnlich war, wie ich viele Jahre später erfahren durfte.
Auch meine Mutter war von den Rezepten des Buchs beeindruckt. Die überbackene Zwiebelsuppe aus dem Buch hat sie hin und wieder an Festtagen serviert. Sie hat mir immer geschmeckt und vermutlich liegt hier auch die Quelle für mein späteres Interesse an Gerichten wie Moules marinière und Kalbsschnitzel Cordon bleu. Letzteres lernte ich dann im Zivildienst in den frühen 70er Jahren kennen, als ein Koch der Einrichtung, in der ich tätig war, einen Kochkurs anbot, der mit Kalbsschnitzel Cordon bleu seinen Höhepunkt und Abschluss fand.
Meine Leseexemplar in den 60er und 70er Jahren
Ich habe das Buch in den letzten 60 Jahren dreimal gelesen. In den frühen 60er Jahren war es für mich ein witziger und unterhaltsamer Roman, in den frühen 70ern las ich es als humorvolle Einweisung in die unterschiedlichen Lebensstile und Kulturen Europas sowie als inspirierendes Kochbuch. Doch erst vor wenigen Jahren ist mir aufgegangen, dass es vor allem ein politisches Buch vom Widerstand in dunklen Zeiten ist, verpackt in eine Abenteuergeschichte im Chaos der 40er Jahre.
So finden sich im Teil, der nach dem Ende des Krieges spielt, zwischen den Rezepten immer wieder Informationen zur katastrophalen Ernährungslage der Bevölkerung in den besetzten Zonen. Da mehrere Kapitel des Buches im besetzten Baden-Baden des Jahres 1945 spielen – dem Ort, an dem meine Mutter zur gleichen Zeit im Casino der französischen Besatzungsmacht als Beiköchin und Kaltmamsell arbeitete –, ist die Lektüre für mich natürlich besonders reizvoll.
Meine Empfehlung: Unbedingt lesen!
Mehr bei: https://de.wikipedia.org/wiki/Es_mu%C3%9F_nicht_immer_Kaviar_sein_(Roman)












