... und ein bemerkenswertes Interview
Interview: Gregor Gysi und Bodo Ramelow
Streitkräfte und Strategien #Ukraine
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html
Im Gespräch mit den Demonstranten fällt so gut wie immer ein Wort: Freiheit. Der Staat, so empfinden sie es, hat ihnen diese Freiheit geraubt, weil er Geimpften mehr Rechte einräumt als Ungeimpften, weil er ihnen den Zutritt zu Geschäften, Fußballstadien oder Kinos verwehrt. Das Gegenargument, dass ein mangelnder Immunschutz in der Bevölkerung die Freiheit der vulnerablen Personen einschränkt, lassen sie dagegen nicht gelten.
In ihrem neuen Roman erzählt Lucy Barton (die Heldin aus den Romanen "Die Unvollkommenheit der Liebe" und "Alles ist möglich") von der komplexen und innigen Beziehung zu ihrem ersten Mann William, von den Anfängen, als sie noch studierten, von ihren beiden Töchtern und vom schmerzvollen Ende ihrer Ehe. Doch obwohl sie neue Partner, neue Liebe finden, bleiben sie einander jahrzehntelang verbunden. Und als William Hilfe braucht, ist es Lucy, an die er sich wendet.
In dieser ersten Zeit stellt Catherine mich ihren Freunden vor, indem sie mir die Hand auf den Arm legte und mit gesenkter Stimme sagte: »Das ist Lucy. Lucy war früher gar niemand.« (S.41) und weiter: “Sie gab mir ihre abgelegten Nachthemden, schöne Nachthemden, weiß mit Stickerei. Die trug ich immer gern.” (S.44)
“Sie war das Licht In Person. Jedenfalls meistens.” (S.42) und “Sie besaß diese große Herzenswärme.” (S.45)
Aber im Kern bleiben wir alle Geheimnisse. Mythen. Wir sind alle gleich unerforschlich, das will ich damit sagen.Das ist vielleicht die einzige Wahrheit, deren ich mir ganz sicher bin.
Ich sagte: »Wenn ich ein Mann wäre, der ein junges Mädchen umbringen und ihre Leiche irgendwo verscharren will, wo kein Hahn danach kräht, dann käme ich dazu hierher. Ich meine, schau dich doch um!« (S.110)
Am Straßenrand stand ein Schild: »Willkommen im freundlichen Fort Fairfield«.William kommentiert fassungslos:
[...] Alles in der Stadt war geschlossen. Nicht ein Auto fuhr auf der Straße, und an einem Gebäude mit der Aufschrift »Gemeindeverwaltung« - keinem kleinen Gebäude! - hing ein Schild: ZU VERMIETEN. Eine große First National Bank mit Säulen vor dem Eingang gab es, deren Tür mit Brettern zugenagelt war. Laden um Laden war auf diese Weise verrammelt. Nur das kleine Postamt am Ende der Main Street schien offen zu sein. Hinter der Hauptstraße floss ein Fluss.
»Was ist das denn, Lucy?«
»Ich habe keine Ahnung.« Aber es war wirklich gespenstisch. Nicht ein Café, nicht ein Kleidergeschäft oder Drogeriemarkt, absolut nichts in dieser Stadt hatte geöffnet, und auch als wir die Hauptstraße wieder zurückfuhren, begegnete uns kein einziges Auto, und dann lag der Ort hinter uns.
»Dieser Staat ist echt am Ende«, sagte William, aber die Verstörung war ihm anzumerken. Ich war selber verstört. (S.127)Ein Restaurant, einen Schnellimbiss oder ein Café zu finden, scheint in Maine besonders schwer zu sein:
Eigentlich hatten wir in Houlton zu Mittag essen wollen, aber das eine Restaurant, das wir fanden, schloss um halb drei, und es war fünf nach halb. »Wir haben zu«, sagte die Frau an der Tür, und damit schloss sie die Tür und verriegelte sie von innen. »Gibt es hier in der Nähe sonst irgendwelche Lokale?«, versuchte William noch durch das Glas zu fragen, aber die Frau ging einfach weg. (S.121)Unfreundlichkeit ist noch nicht mal das größte Problem:
Der Mann starrte uns nach, er war bärtig und alt und trug kein Hemd, und sein Blick war voll Hass; seit ich ein Kind war, hatte kein Fremder mich mit solchem Hass im Blick angestarrt, und meine Angst nahm noch zu. (S.184)Selbst im regionalen Flughafen in Bangor: kein Restaurant , das geöffnet hat, kein Café oder so, nichts.
Mae war nie begeistert von den Menschen in Maine.»Kein Strom, kein fließend Wasser, scheiß in ein Loch und fick deine Schwester, so mögen die das«, hatte Mae gesagt. »So ziemlich dasselbe wie in einem Dorf in Nordirland - wobei ich das Vergnügen nie hatte«. [...]Zuerst das Tor zum Mädchencamp, dann die Müllkippe, das Dollar-General-Kaufhaus, die Ladenzeile mit den pleitebedrohten Einzel- und Großhandelsfirmen, Autoschrottplätze, Mokassin-Outlets, dazu das gleichförmige Siedlungsschema von Maine - aufgebockte Bootswracks, Haufen aus Fallen und Bojen, Holzspaltmaschinen und Nissenhütten aus Zeltplane - und wirklich jeder mit einem aufgebockten Truck, einer zerborstenen Pflugschar, einem Geländemotorrad und einem Hund. Wenn das Meer außer Sicht war, entsprach Maine Michigan, nur ohne Humor. Und nach dem Kolumbus-Tag nahmen es die Mainer wieder komplett in Besitz. In den Läden ging das Licht aus, Restaurants wurden verrammelt und verriegelt, die Ortsansässigen ignorierten einen, wenn man in den Graben fuhr, und Ferienhäuser, die nicht einbruchsicher waren, wurden zu Meth-Labs umfunktioniert oder abgefackelt oder beides. Der Sheriff nahm sich frei. Hier, das wurde Boyd klar, konnte er nicht überleben. [...]Man kostete seinen Groll aus. Jeder war bewaffnet. (S.141ff)
Wer solche Autos Autos baut, glaubt vermutlich auch einen Krieg gegen Russland gewinnen zu können. (Aber hat man nicht schon einmal geglaubt, man braucht nur schwere Geschosse und alles wird einfach?)
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Ich vermute, dass ich heute eher nicht Soziologie oder Politikwissenschaft studieren würde.
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Imperatoren lieben es gerne etwas pompöser:
Darmstadt 31. Januar 2021: Inzidenz 63Darmstadt 31. Januar 2022: Inzidenz 1535.
Noch immer können viele Gesundheitsämter neue Corona-Fälle nicht an das Robert-Koch-Institut melden. Nach einem Update der vom RKI verwendeten Software kommt es schon seit einigen Tagen zu Verzögerungen bei der Falleingabe . Das Hessische Sozialministerium, das täglich in Zusammenarbeit mit dem RKI eine Übersicht über die Fallzahlen liefert, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten, hat nun reagiert: „Aufgrund von Problemen bei der Bereitstellung der Daten durch das RKI kein Bulletin“, steht auf der Homepage des Ministeriums zu lesen.
Ansonsten gilt bei uns: Alle in der Verwandtschaft sind gesund, niemand aktuell infiziert oder gar erkrankt, fast alle vollständig geimpft. Alle Tests waren bisher negativ. Aber wir wissen auch: Früher oder später wird der Virus auch uns finden. Wir sind gewappnet!
Wolf Biermann:
ARTE vom 18.1.2022 52:13
Mitte Januar habe ich einen Tipp zu einer Sendung auf ARTE, die mir buchstäblich durch die Lappen gegangen ist, aber ich konnte sie mir in der Mediathek ansehen und auch über https://mediathekviewweb.de/ downgeloaden. Es gibt eine thematisch ähnliche Sendung über die französischen Kinder deutscher Besatzungssoldaten mit ähnlich berührenden Erzählungen.
Ich denke, "berührend" beschreibt diese Sendung zutreffend. Oder wie anders soll man die Suche der beiden Frauen nach ihrer leiblichen Mutter bezeichnen? Eines Tages sozusagen aufzuwachen und zu wissen, dass noch irgendwo eine leibliche Mutter unbekannterweise existiert, schrecklich einerseits und vielleicht doch motivierend andererseits. Die Suche war in beiden Fällen erfolgreich, aber leider nicht bei beiden sehr beglückend, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich vermute, die Schuldgefühle der Mütter waren doch zu groß um darüber hinwegzugehen - und die Enttäuschung bei den Frauen dann ebenso. Insgesamt eine gelungene Doku.
ABER: Die Auswahl des deutschen Historikers und der deutschen Historikerin fand ich ziemlich unglücklich. Die beiden haben sich m.E. viel zu wenig auf die tatsächlichen Verhältnisse eingelassen und ergehen sich m. E. viel zu sehr in allgemeinen Spekulationen über die Nachkriegsverhältnisse. So wenn die Historikerin Silke Satjukow von den Motiven der abgebenden Mütter spricht, die angeblich “nach den schrecklichen Erlebnissen des Krieges mit ihren Gefühlen haushalten mussten". Da ist m.E. dummes Zeug, denn die Frauen waren viel zu jung um an der Rheinschiene die vollen Schrecken des Krieges erleben zu können. Die meisten waren ins Hinterland evakuiert worden und arbeiteten als Arbeitsdienstmädchen in Haushalten kinderreicher Familien, weit weg vom Kriegsgeschehen. Im Südwesten waren die Verhältnisse eben anders als im Osten Deutschlands oder in den großen Industriezentren.
Schwach fand ich auch den Historiker Rainer Gries der sich ebenfalls mehr allgemein spekulierte als konkret zur Klärung der Verhältnisse in der französischen Besatzungszone beizutragen.
Das hätte man sich sparen können.
(Nebenbei: Auch die Behauptung, ein Besatzungskind galt als Schande, kann ich aus meinen Erlebnissen in Rastatt nicht bestätigen. In der eigenen Familie und "drumherum" gab es viele Besatzungskinder und auch Ehen mit französischen Besatzungssoldaten. Von Schande war da nie die Rede. Noch Jahre später gab es immer wieder Besuche aus Frankreich mit einer erklecklichen Kinderschar im Tross. Auch deutsche Männer hatten da Chancen. In einem Fall hatte ein deutscher Freund meiner Eltern eine Französin geheiratet und ist mit ihr nach Royan gezogen.)
Überzeugend hingegen fand ich den französischen Historiker, Yves Denéchère, Universität Angers, der die französische Bevölkerungspolitik konkret benennt und darauf hinweist, dass es einen Plan der französischen Behörden gab, möglichst viele Kinder französischer Besatzungssoldaten nach Deutschland zu holen um den Geburtenausfall als Folge des Krieges auszugleichen. Ein Plan, der übrigens scheiterte, denn es kam nur zu maximal 1500 Adoptionen.
"Was damals passiert ist, war sehr hart für die Kinder. Die Franzosen wollten sie haben unter dem Vorwand, sie seien Kinder französischer Soldaten. Und die Deutschen waren froh, dass sie die Kinder los wurden. Jeder hat so seine Schäfchen ins Trockene gebracht. Aber ich finde es gut, dass Deutschland heute sagt, du gehörst auch zu uns."
Eine informative, berührende Doku, auf ARTE online noch bis zum 22. April zu sehen!