Sie hat ein interessantes und spannendes Buch geschrieben zur Geschichte Taiwans nach der Machtübernahme durch die Kuomintang und dem darauf folgenden Weißen Terror unter der Herrschaft Chiang Kai-sheks, dargestellt anhand der Geschichte ihres Onkels.
In der Familie in Taiwan wird diese Geschichte aber verschwiegen. Erst in Deutschland lernt sie die wirkliche politische Geschichte ihres Onkels und vor allem die ihres Landes kennen (S.111ff). In Taiwan dagegen:
Über Taiwan lernen wir fast gar nichts. Wir leben in Taiwan, aber wir kennen die Flüsse unseres Landes nicht. Wir wissen nicht, wie unsere Berge heißen. In unserer Verfassung der Republik China steht über das Territorium Taiwan nichts drin. Denn 1946, als die Verfassung niedergeschrieben wird, gehört Taiwan gar nicht zu China. Taiwan wird in dieser Zeit von Japan aufgegeben und von einer Allianz übergangsweise besetzt. Wir wissen, dass wir ein eigenes Land haben. Aber ehrlich gesagt wissen wir immer noch nicht, welche gesetzliche Position Taiwan in der internationalen Politik hat und wie die aktuelle Lage für Taiwan ist. Wir diskutieren ständig und heftig, keiner weiß es genau. S.99
Und zu meiner Überraschung muss ich lesen: Die Vergangenheit Taiwans ist noch nicht aufgearbeitet, sie ist noch nicht einmal vergangen. Die Autorin zeigt am Beispiel der Geschichte ihres Onkels, dass die alten Kräfte und die neuen aus der Volksrepublik sehr gut zusammenarbeiten, um ehemalige Regimegegner weiterhin unter Druck zu setzen.
Nicht zuletzt ist dies auch ein Buch zu dem Problem, ob man als in Taiwan geborene Frau eine Chinesin ist, Taiwanerin, oder was? Und ein Buch, dem ein kompetenteres Lektorat gut getan hätte.
Im Anhang findet man beeindruckende Abbildungen von Malereien des Onkels der Autorin. (Siehe auch das Titelbild des Buches.)
Inhaltsangabe/Infos:
https://intaiwan.net/wp-content/uploads/2021/09/Pressemitteilung-Uie-Liang-Liou.pdf
Weitere Quellen
by Klaus Bardenhagen
September 24, 2021
Europa Edizioni srl www.europabuch.com
Meine Rezension bei Amazon: Klick
Vertiefend:
Thilo Diefenbach (Einleitung und Übersetzung); PDF
