Montag, 4. Oktober 2021

Eine Frau geht fremd

Im Waschzettel wird gefragt:
"Was wäre, wenn man allem Vertrauten den Rücken zukehrte, einfach so? Und sich auf das Unerhörte einließe?"

   Für die Protagonistin ist das Unerhörte ein alter, grauer Mann mit Bart, schwerhörig und gehbehindert, aber mit starken Proletenhänden und seltsamen sexuellen Bedürfnissen. Ein Mann, "der die Mitte ausließ" und dafür die Ränder bewohnte.

   Spricht sie mit und von dem Mann mit den Arbeiterhänden werden ihre Sätze kurz, stakkatoartig, emotionslos, distanziert. Spricht sie von ihrer Familie, den Freunden, der Vergangenheit werden ihre Sätze lang, beschreibend, mitfühlend.

   Ist das eine Groteske, eine Satire auf die Yellow Press, die Geschichte einer amour fou, eine Sozialreportage oder einfach nur eine Sado-Maso-Nummer? Oskamp spielt mit den Lesererwartungen und man weiß nie, ist das Kitsch oder Kunst. Ich lese dann doch lieber die Geschichten einer Fußpflegerin in Marzahn.

Katja Oskamp: Hellersdorfer Perle
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2010 ISBN 9783821861104
Gebunden, 218 Seiten, 18,95 EUR

Rezensionen

Rezenionsübersicht beim Perlentaucher:

Von Ulrich Rüdenauer
In der "Hellersdorfer Perle" blickt Katja Oskamp in die Abgründe, die ein bürgerliches Leben in der Kleinfamlie nicht bieten kann.