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| https://www.merkur.de/bayern/coronavirus-antikoerpertest-soeder-bayern-deutschland-kosten-soeder-roche-spahn-wer-wann-penzberg-zr-13748727.html |
In Mathe war ich immer schlecht,
ist ein Satz, der in bestimmten Kreisen in Deutschland angeblich zum Standardrepertoire gehören soll.
Dennoch ist mathematisches Verständnis bei einer Pandemie hilfreich.
Der neue “Schnelltest” (siehe oben) soll angeblich 100% aller Menschen mit Antikörper entdecken und nur in 0,19% aller Fälle daneben liegen, d.h. angebliche Antikörper bei Personen nachweisen, die tatsächlich keine besitzen (in der Fachsprache: die “falsch positiv” getestet wurden).
Ein kleines Problem besteht vielleicht auch darin, dass für Selbstzahler die Kosten laut dem Pharmaunternehmen bei “weniger als mehreren hundert Euro“ liegen.
Und noch ein Problem:
“Unklar ist allerdings noch, ob der Nachweis von Antikörpern auch mit einer Immunisierung der Betroffenen einhergeht. Christoph Franz, Verwaltungsratspräsident von Roche, sagte, es gebe eine „sehr hohe Wahrscheinlichkeit“, dass nachgewiesene Antikörper auch eine immunisierende Wirkung hätten.” (Quelle siehe oben).
Ein Durchbruch? Vielleicht, vielleicht auch nur schnelles Marketing.
Nehmen Sie Platz, wir rechnen!
Selbst wenn der Test wirklich so treffsicher ist, wie vom Unternehmen behauptet, können sich Probleme daraus ergeben, dass im obigen Beispiel 0,19% aller Probanden falsch positiv getestet werden, wie man leicht (?) nachrechnen kann:
Angenommen es werden 100 000 zufällige Personen getestet. Der “Durchseuchungsgrad” läge bei (derzeit großzügig) geschätzten 2%. Dann würde der Schnelltest also 2000 Personen ermitteln die Antikörper nachweisen. Da seine “Sensitivität” bei 0,19% liegt würde er aber fälschlicherweise auch bei 0,19% von 98 000 Personen, die eigentlich keine Antikörper besitzen, solche finden. Das wären dann 186 Personen.
Insgesamt hat der Test also 2186 Personen positiv getestet, obwohl nur 2000 tatsächlich positiv sind, d.h. fast jeder zehnte Treffer ist falsch.
186 Personen (von 100 000) laufen durch die Gegend, die wahrscheinlich keine Antikörper besitzen. Das Dumme ist: man weiß nicht, welche das sind.
Und man weiß leider auch nicht, ob der falsch-positiv getestete Anteil der Menschen wirklich nur bei 0,19% liegt. Läge er um den Faktor 10 höher, also bei 1,9%, dann wären 1860 Personen falsch positiv getestet worden, also fast so viele wie wirklich positiv sind. Den Test “für weniger als mehrere Hundert Euro” wäre praktisch nutzlos.
Das alles gilt, solange der Durchseuchungsgrad noch so niedrig ist.
Ich will das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Wenn der Test wirklich das leistet, was versprochen wird, dann weiß man immerhin nach einem negativen Testergebnis, dass man keine Antikörper besitzt, also höchstwahrscheinlich nicht immun ist. Wäre das eine Beruhigung für die 98 000 von 100 000 Menschen, die jeweils “für wenige Hundert Euro” getestet wurden?
Mehr dazu in zwei Artikeln der Süddeutschen Zeitung:
22. April 2020
(Mit einer sehr übersichtliche Grafik!)
und
4. Mai 2020
(Mit einer ähnlichen Rechnung, wie ich sie durchgeführt habe.)
Johns Hopkins meldet für heute, 6.5. 17:30 Uhr 167 372 Fälle, das ist innerhalb 24 Stunden ein Anstieg um etwa 0,6%. Um 14 Uhr sind 8678 SARS-CoV-2-Fälle in Hessen bestätigt. Das sind 93 (!) mehr als am Vortag. Ein Anstieg von etwa 1%. In Darmstadt gibt es zwei neue gemeldete Infektionen, d.h. es sind jetzt 205 Fälle verzeichnet. Ein Anstieg vonca. 1%.
Bezüglich der Daten und deren Aussagekraft gelten aber immer noch die Einschränkungen, die ich am 29.3. hier gemacht habe.
Süddeutsche Zeitung 9. April 2020
Körpertemperatur: 10:00 Uhr: 35,8°; 18:00 Uhr 36,4°
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