Darmstadt
Retour à la normaleYo, ich war beim Friseur, wie man sieht. Mit den erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen konfrontiert was Abstand, Masken und Handhygiene angeht, wurde ich gewohnt gekonnt verschönt. Retour à la normale.
In der Innenstadt herrschte schon wieder der Vor-Pandemie-Kundenverkehr, schien mir. Lediglich Cafes und Restaurants sind noch geschlossen. Auffallend sind lediglich die vielen Mundschutzträger(innen).
In den Geschäften trifft man auf vielfältige Maßnahmen, um den Sicherheitsabstand einzuhalten. In der Filiale einer großen Buchhandelskette bekommt man eine Einkaufstasche in die Hand gedrückt. So wird der Zustrom an Kunden gesteuert. Auf dem Boden vor den Kassen die üblichen Abstandsmarkierungen. Ein- und Ausgangstüren werden in gegensätzlicher Richtung gesperrt, so dass keine Kollisionen stattfinden. Selbst vor den Rolltreppen (bei Karstadt) wird man auf den erforderlichen Abstand hingewiesen.
Die Ausgangsbeschränkungen sind also weitgehend aufgehoben, die Pandemie ebbt ab, aber der Bocksgesang schwillt an. Auch in Frankreich, wie ich lese.
Wutbürger in Frankreich - Die Mandarins von Paris
In Frankreich kocht die - nein, nicht die Volksseele, sondern die Seele der in der Hauptstadt eingeschlossenen und ihrer Cafés und Restaurants beraubten Intellektuellen.Die “Mandarins von Paris” bedauern den Verlust ihrer Freiheit und einer fordert, dass man nicht die Gesundheit zum Maß aller Dinge machen darf, denn:
“In Paris eingeschlossen zu sein ist nicht lustig. Meine Generation hat eine solche Beschränkung der Grundrechte nie erlebt. Man kann das für eine kurze Zeit akzeptieren. Aber nicht auf Dauer. Ich gehöre zur Risikogruppe, vor drei Jahren hatte ich eine Lungenentzündung. Aber lieber hole ich mir Covid-19, als dass ich lebenslang eingeschlossen bleibe. Ich liebe das Leben, aber noch mehr liebe ich meine Freiheit.”Welche Freiheit er meint, hat er dargelegt: Unter anderem die Freiheit sein Landhaus in der Normandie aufzusuchen.
Das Zitat ist von André Comte-Sponville, der nach Ansicht des FAZ-Autors noch zu den vernünftigen Kritikern der französischen Maßnahmen gegen die Pandemie zählt. Dennoch frage ich mich: Liest der Mann keine Zeitungen, beobachtet er keine Medien? Gerade werden die Einschränkungen gelockert und plötzlich beginnt wie in Deutschland das Gejammer über den angeblichen Verlust von Freiheit. Und noch etwas frage ich mich. Warum ist es einem Intellektuellen nicht möglich zu begreifen, dass die Kontaktbeschränkungen nicht nur seinem Leben galten, sondern auch dem seiner Mitbürger? Er mag ja für sich entscheiden, dass er lieber an Covid-19 sterben möchte als an Paris gefesselt zu sein (Ich vermute mal nicht gerade in der Banlieu in einem HLM im 8. Stock ohne Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe.), es liegt aber nicht in seinem Ermessen andere zu infizieren, weil er nicht wissen kann, ob er selbst infiziert ist oder nicht. Und vielleicht macht er sich in einer stillen Stunde Gedanken über die Triage, und ob es im Ernstfall gerechtfertigt wäre, jemand auf der Intensivstation zu behandeln, der sich offen und leichtfertig dem Infektionsrisiko ausgesetzt hat?
Wie der Hesse sagt: Isch könnt misch do scho widder uffresche!
Es gibt allerdings noch radikalere Positionen unter den Mandarins von Paris:
Emmanuel Todd: “Nicht die Sterblichkeit sondern die Geburtenrate macht die Vitalität einer Gesellschaft aus” erklärt er im Hinblick auf Deutschland und fordert “ Wir dürfen die Jugend und die arbeitende Bevölkerung nicht der Rettung der Alten opfern”.Kurz: Um dem deutschen Erbfeind Paroli bieten zu können, muss man die Alten opfern.
Mein Rat: Emmanuel Todd (Jahrgang 1951), gehen Sie tapfer voran und opfern Sie sich!
Quelle der Zitate:
FRANKREICHS DENKER UND CORONA: Freiheit, Gleichheit, Gesundheit
Von Jürg Altwegg, Genf. Aktualisiert am 12.05.2020
Der aktuelle Stand:
Johns Hopkins meldet für heute, 13.5. 16:30 Uhr 173 647 Fälle, das ist innerhalb 24 Stunden ein Anstieg von 924 Fällen und damit um etwa 0,5%.Bezüglich der Daten und deren Aussagekraft gelten aber immer noch die Einschränkungen, die ich am 29.3. hier gemacht habe.
Um 14 Uhr sind 9087 SARS-CoV-2-Fälle in Hessen bestätigt. Das sind 56 mehr als am Vortag. Ein Anstieg von etwa 0,6%. In Darmstadt gibt es einen neu gemeldeten Fall, ein Anstieg von ca. 0,5%.
Süddeutsche Zeitung 9. April 2020
Coronavirus: Alle Daten der Pandemie erklärt.
Körpertemperatur: 9:30 Uhr: 36,2°; 19:00 Uhr: 36,4°
13 400 Schritte.

