Donnerstag, 9. April 2020

Spannende Tage im März #25 SARS-CoV-2

Aglasterhausen
School’s Out For Ever 

“Coronavirus: Leider eine Hochzeit für Fake-News” titelt der torial Blog und hat damit sicher recht. Auf der Seite COVID-19 Gerüchte, Fake News und voreilige Wissenschaft in Corona-Zeiten von Netzpolitik.org findet man viele Quellen, wo man Belege für die These finden kann.

Aber es geht auch in seriösen Medien nicht immer so ganz seriös zu. Die Zeiten schreien nach Aufmerksamkeit und die Medien schreien auch. 
Hier drei Beispiele:


“Für alle, die fünf Wochen – vielleicht werden es auch mehr sein – weit weg von Dreisatz und Rechtschreibfitness verbracht haben, wird es noch schwerer sein als in Zeiten vor Corona. Die ohnehin vorhandene Chancenungleichheit an den Schulen wird noch größer werden. Zu pessimistisch? Hoffen wir’s mal. Tatsächlich wird es jetzt darauf ankommen, wie beweglich und kreativ die Kultusministerien sind. Der Vorschlag der Lehrergewerkschaft GEW, benachteiligten SchülerInnen einen „Coronabonus“ auf die Zeugnisnote zu schlagen, ist deshalb gerade richtig gedacht.”

Ich habe mich gleich gefragt: “Wie soll das funktionieren? Vielleicht dass benachteiligte SchülerInnen nach Vorlage der HartzIV-Bescheinigung ihrer Eltern einen Notenbonus erhalten; sagen wir mal 0,5 pro Zeugnisnote?"

Zu viel des Nachdenkens, denn: Knapp daneben ist auch vorbei. "Die GEW" fordert diesen Bonus nicht nur für benachteiligte sondern für alle Schüler.
“Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft schlägt einen Corona-Bonus bei den Schulnoten vor. Ihre Vorsitzende, Marlis Tepe, sagte der "Leipziger Volkszeitung", das gelte für den Fall, dass die Schulen vorerst nicht geöffnet würden. Dann könnten die Noten im Zeugnis aus den bisher erbrachten Leistungen und einem Corona-Bonus ermittelt werden. Im Zweifel solle die Bewertung zugunsten der Schüler ausfallen. Entscheidend sei, dass ihnen kein Nachteil durch die Corona-Krise entstehe.”
Aber das war der TAZ-Journalistin wohl nicht sozial genug.


Eine nützliche App des SWR (=Südwestrundfunk) postet eine überraschende Meldung:

Nichts wie hin, dachte ich. Heilbronn ist ja mal gerade 50km von Aglasterhausen entfernt.
Aber leider, leider zu früh gefreut:



Ganz sicher eine schöne Sache. Warum bedurfte es aber eines sensationsheischenden Titels? Oder durfte sich da ein Schülerpraktikant mal betätigen?

Nicht ganz daneben liegt die Süddeutsche Zeitung mit ihrem Titel

Im Interview wird knallhart gefragt: 
Machen wir nach der Krise da weiter, wo wir vorher aufgehört haben, oder steuern wir auf ein neues Wirtschaftssystem zu?
Die Antwort:
Unser Wirtschaftssystem wird sich teils verändern. Medikamente und Schutzausrüstung wird man stärker im eigenen Land produzieren, statt sich auf vollständig ausländische Lieferketten zu verlassen.
Knallhart gefragt plus unbefriedigende Antwort ergibt eine Überschrift mit einem Dreh ins Spektakuläre. Seriös?


Johns Hopkins meldet für heute, 9.4. 18:00 Uhr 114 257 Fälle, das ist innerhalb 24 Stunden ein Anstieg um 4,5%, ungefähr wie gestern. 
Um 14 Uhr sind 5384 SARS-CoV-2-Fälle in Hessen bestätigt. Das sind 270 mehr als am Vortag. Ein Anstieg von 5,3%.
In Darmstadt sind 103Fälle gemeldet, vier mehr als am Vortag. Das entspricht einem Zuwachs von 3,0%. 
Bezüglich der Daten und deren Aussagekraft gelten aber immer noch die Einschränkungen, die ich am 29.3. hier gemacht habe.

Körpertemperatur: 9:00 Uhr: 36,7°; 19:00  Uhr 37,0°
12 800 Schritte (einschließlich Lauf über 7,5 km).