Aglasterhausen
... und die faire Lösung soll das Los sein.
Als ich diese Überschrift heute las, bin ich beinahe vom Stuhl gefallen. Aber “natürlich” war das nicht so provokativ gemeint, wie der Titel suggeriert. Nur als “ultimo ratio” sollte der Arzt von der Last befreit werden, über Leben und Tod entscheiden zu müssen.
Tonio Walter plädiert keinesfalls dafür, von vornherein das Los entscheiden zu lassen, wenn es mit den Beatmungsgeräten eng wird. Er bewegt sich als Jurist, und das sollte man anerkennen, durchwegs auf dem Boden des Grundgesetzes und der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass jegliches menschliches Leben, unabhängig von Alter, Geschlecht, Status etc. gleich zu schützen sei und Leben nicht gegen Leben abgewogen werden dürfe. Nur wenn es keine anderen Kriterien mehr gibt, soll der Arzt nicht mehr alleine die Entscheidung fällen müssen, wer weitere ärztliche Leistungen erwarten darf, wenn zum Beispiel ein Mangel an Intensivbetten sich einstellt. Ein Kriterium könne allenfalls darin bestehe, ob eine realistische Erfolgschance auf die Erhaltung des Lebens bestehe. Könne darüber keine Entscheidung getroffen werden, und nur diesem Falle, solle das Los entscheiden.
Das kann man verstehen, man kann darüber diskutieren. Es wäre auch eine andere Lösung denkbar, z.B. die anonyme Entscheidung eines Ärzteteams oder ähnliche Konstruktionen, die den einzelnen Arzt entlasten.
Was ich allerdings für eine totale Entgleisung des Autors halte ist die Begründung:
“Für eine gerechte Entscheidung gibt es nur eine Regel: das Los. Nicht der Wille eines Menschen entscheidet dann, sondern die Majestät des Schicksals oder, für gläubige Menschen, der Wille Gottes. Das ist auch fair, denn das Los entscheidet ohne Ansehung der Person, vor ihm hat jeder die gleiche Chance. Mit Recht weist mein Trierer Kollege Till Zimmermann darauf hin, dass unsere Rechtsordnung den Losspruch auch an anderer Stelle als Entscheidung akzeptiert; etwa bei der Wahl von Bürgermeistern, wenn Stimmengleichheit herrscht.”Die Entscheidung über Leben und Tod von Patienten mit der Wahl eines Bürgermeisters zu vergleichen, das ist extrem geschmacklos und disqualifiziert die Protagonisten (in diesem Fall ja zwei) als ernstzunehmende Diskussionsteilnehmer. Solche furchtbaren Juristen möchte ich nicht mehr in Deutschland erleben.
Quelle: Zeit Online vom 2.4.2020
Johns Hopkins meldet für heute, 3.4. 17:00 Uhr 87 244 Fälle, das ist innerhalb 24 Stunden ein Anstieg um f,5%, also niedriger wie an den Tagen zuvor.
Um 14 Uhr sind 4097 SARS-CoV-2-Fälle in Hessen bestätigt. Das sind 115 mehr als am Vortag. Ein Anstieg von 5,5%.
In Darmstadt sind 83 Fälle gemeldet, 4 mehr als gestern. Das entspricht einem Zuwachs von 5%!
Es gelten aber immer noch die Einschränkungen, die ich am 29.3. hier gemacht habe.
Körpertemperatur: 11:00 Uhr: 36,3°; 19:00 Uhr 36,4°
6 600 Schritte.

