Sven Regener: „Glitterschnitter“, Roman Galiani Verlag, Berlin 2021. 480 Seiten, 24 Euro
und bei der Büchergilde Gutenberg (siehe Titelbild oben)
Ich lese gerade (Ende Juni 2022) das Buch "Glitterschnitter" von Sven Regener. Ein Roman aus dem unerklärten Zyklus um Herrn Lehmann, genauer: Frank Lehmann*.
Am Anfang denke ich: Das kenne ich alles schon aus den vorhergehenden Romanen, die Stimmung, die Sprachkritik, verpackt in witzige Dialoge, das Milieu. Aber nach wenigen Seiten bin ich wieder drin in der Wahnsinnswelt von Sven Regener und seinem Herrn Lehmann. Berlin, Kreuzberg, Cafés und Kneipen und du bist dir ganz sicher, das ist Realismus pur und der Wahnsinn ist Wirklichkeit geworden, schon in den 80er Jahren, wir haben es nur nicht gemerkt. Einzig der Milchkaffee in großen Schalen ist davon übrig geblieben (und wird heute nur noch in wenigen Lokalen serviert, u.a. in meinem Stammcafé, der Linie 3 in Darmstadt: Große Schale 3,80€ nach der 1. Covid-Welle; 4,60 nach der zweiten).
Ich sitze auf meiner sonnenbeschienen Terrasse, neben dem Sonnenschirm und lese mich immer mehr in Trance. Als die Haut zu kokeln beginnt gehe ich zurück in die Küche, stelle das Buch in den Kühlschrank und die Flasche Wasser ins Regal.
Ist das jetzt ein Sonnenstich oder bin ich gerade in die Welt von Frank Lehmann transponiert worden?
Liebe Freunde, wenn euch das Rentnerdasein den jahrelang im Berufsleben ehrlich erworbenen Wahnsinn wieder ausgetrieben hat, dann lest dieses Buch. Es ist beste Medizin gegen die kranke Normalität,
* Zum Zyklus gehören mittlerweile sechs Folgen; siehe wikipedia.de.
Deja Vue:
S.239 ist vom Epochenbruch die Rede (bezogen auf die Vorwendejahre!)
S.292: "Sie (die Ärzte, RW) schleichen das aus."
Sammelrezension:
Inhaltsangabe vom Deutschlandfunk
"Kuriose Gestalten, schräge Dialoge und viel Situationskomik: In seinem neuen Roman taucht Sven Regener wieder tief ein in die kleine Welt in der Wiener Straße in Berlin. Frank Lehmann arbeitet als Putzkraft und angehender Milchkaffee-Experte im Café Einfall, wo sich alle treffen: Die Bandmitglieder, die im Café ihr Demoband aufnehmen und begeistert in die Wände bohren, die österreichischen Hausbesetzer der ArschArt-Galerie von nebenan. Der Künstler H. R. Ledigt, der in seinem kleinen Zimmer eine Ikea-Musterwohnung aufbaut, sein Manager Wiemer, der Ledigt überreden will, doch lieber ein Bild für die Wall City Ausstellung zu malen. Chrissie aus Stuttgart, die damit hadert, dass ihre Mutter Kerstin nach Berlin gekommen ist, der neue Kontaktbereichsbeamte, dessen Uniform beinahe zu einer Massenschlägerei führt. Es ist eine bunte Gesellschaft, die sich da zusammenfindet:"
Interview:
Wer Sven Regener im Interview in der Kneipe Weiße Taube, Wiener Straße, Berlin Kreuzberg) sehen und hören will: Hier beim rbb.
Musik von Sven Regener und der Band Element of Crime auf youtube
Und mein liebstes “Berlin-Lied”: Alle vier Minuten
Hier ein langes Konzert in Rudolstadt 2016 (45 Min.)
Ein Auftritt bei Bayern 2 StudioClub 2014
