Sommerloch #1
Ich erinnere mich an frühere Zeiten. “Sommerloch” hieß in den Medien, das waren damals Zeitungen, Film, Funk und Fernsehen, immer: Das Ungeheuer von Loch Ness taucht wieder auf und im Rhein werden Wale gesichtet (oder auch mal ein Krokodil). Ansonsten gab es wenig zu berichten und das Zeilenhonorar war noch ausgiebig.Das war einmal: Das Zeilenhonorar sinkt kontinuierlich und die Berichte werden entsprechend länger. Aber was soll man über das ungeheure Loch Ness neues schreiben und was, wenn keine Wale gesichtet werden? Neues Aufregerthema ist die Hitze.
Hitzewelle: Grell scheint die Sonne auf mein Zeilenhonorar
“Man merkt selbst, wenn das, was man in der Hitze vorhatte, vielleicht keine so gute Idee ist.” Immerhin braucht er fast eine ganze Zeitungsseite für diese Erkenntnis.
Auch der Ratschlag “Cool bleiben” von Francesca Polistina in der gleichen Ausgabe der SZ ist überzeugend, denn, wie sie einen Klimaforscher zitiert: “Das Problem der Hitze ist in Deutschland bewältigbar.”, zum Beispiel, indem man tagsüber einfach die Sonne und die warme Luft nicht in die Wohnung lässt.
(Beide Artikel nur hinter einer Bezahlschranke lesbar!)
Die beiden Autoren der SZ haben die Rechnung aber ohne die FAZ gemacht. Dort heißt es in der Sonntagszeitung vom 17. Juli: Seien Sie vorsichtig!
mit Ratschlägen der Art “Wer rausgeht sollte unbedingt eine Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille tragen” und “viel, viel trinken”, “Essen sollte man tagsüber leichte Dinge” und “lüften Sie die Wohnung nur, wenn es draußen kühler ist als in der Wohnung.”
Tipps dieser Art in der Zeitung, von der es einmal hieß: ”Dahinter steckt immer ein kluger Kopf”.
Tempi passati?
mit Ratschlägen der Art “Wer rausgeht sollte unbedingt eine Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille tragen” und “viel, viel trinken”, “Essen sollte man tagsüber leichte Dinge” und “lüften Sie die Wohnung nur, wenn es draußen kühler ist als in der Wohnung.”
Tipps dieser Art in der Zeitung, von der es einmal hieß: ”Dahinter steckt immer ein kluger Kopf”.
Tempi passati?
Im Winter wird es ganz sicher wieder kälter werden. Wetten wir? Ich bin gespannt auf die Tipps, die man mir dann gibt: “Ziehen Sie sich warm an!”, vielleicht?
Sommerloch #2 - Covid bleibt...
ist aber kaum eine Meldung wert, auch wenn die Infektionen trotz stark gesunkener Testzahlen steigen und die Kliniken zunehmend mehr belegt werden. Aber die Regierung ist in den Sommerferien, Herbst und Winter sind noch fern und überhaupt: die Ukraine und der vielleicht oder denkbare oder befürchtete oder vielleicht doch nicht oder noch nicht eintretende Mangel an Gas bestimmen das Thema. Ein breites Feld an Spekulationen, Befürchtungen, Ängsten tut sich auf. Nichts Genaues weiß man nicht, aber: Zeilenhonorar und Klickraten zählen.Manche Zusammenhänge verwundern mich überhaupt nicht:
In Mathe war ich immer schlecht
Als ehemaliger Mathematiklehrer rechne ich Zahlenangaben in Texten immer nach. IMMER, ich kann gar nicht anders, es ist ein bedingter Reflex, wie bei einem Pawlowschen Hund. Ich bin sicher nicht anmaßend, wenn ich auch für meine Kollegen und Kolleginnen konstatiere: Als Mathelehrer ist Kopfrechnen eine natürliche Reaktion wie Speichelfluß beim Anblick eines gebratenen Steaks oder Schwitzen bei sportlicher Anstrengung.
Also rechne ich:
“Acht Prozent?” Äh, nein. Den Fehler findet man sofort wenn man überschlägt, was 10% von 188 000 ergeben. (Meine Vermutung: Der Autor hat aus “etwa ein Achtel” auf 8% geschlossen.)
Auch hier würde ich sagen, dass auf dem Bild die Mathematik definitiv zu kurz kommt und Tafeltext und -bild sich nicht vertragen, inkommensurabel sind. Der Mathematikunterricht muss an dieser Stelle definitiv besser werden.
Bisher konnte mir noch niemand erklären, was die Kollegin an der Tafel vorrechnet. Und wozu braucht sie ein Tablet, wenn Sie doch an der Tafel rechnet?
Das Bild findet sich in allen möglichen Zusammenhängen, wenn es irgendwie um Schule und Unterricht geht. So auch bei einer Meldung des SWR, (deren Überschrift wohl unfreiwillig einen hohen Wahrheitsgehalt hat)
Sicher ist: So wird der Mathematikunterricht auch nicht besser. Und ich frage mich: Warum werden immer Frauen in diesen seltsamen Zusammenhängen gezeigt?
Ob es hier wirklich hilft, den Leser beim Rechnen zu unterstützen? Es ist ja schön zu wissen, dass 60 Flaschen Wasser zu je 1 Liter insgesamt 60 Liter ergeben. Aber wie hoch steht dann das Wasser bei dieser Menge auf einem Quadratmeter? (In Mathe war ich immer schlecht!)
Ich habe einige Zweifel, dass der Lehrermangel an Grundschulen dadurch behoben wird, dass man mittels Aushilfslehrer den Kindern physikalische Phänomene wie Beschleunigung etc. rechnerisch näher bringt. In Physik war ich auch immer schlecht.
Es gibt aber auch Erstaunliches zu finden.
DAS reizt mich jetzt wirklich zum Rechnen, und wenn ich noch aktiv im Schuldienst wäre, würde ich die Aufgabe meiner Klasse vorlegen (Thema: Körperberechnungen, Pyramide). Ich bin sicher, wir hätten viel Spaß dabei herauszufinden, was man lediglich mit Kenntnis der Kantenlänge des Würfels alles berechnen kann.
Das eigentlich Erstaunliche ist aber: Das Bild illustriert einen Text, bei dem es um die Kostenübernahme durch die Sozialhilfe für die Therapie behinderter Kinder geht.
Das eigentlich Erstaunliche ist aber: Das Bild illustriert einen Text, bei dem es um die Kostenübernahme durch die Sozialhilfe für die Therapie behinderter Kinder geht.
Etwas Versöhnliches zum Schluss. Mein Arbeitsleben als Mathematiklehrer hat mir gezeigt, dass es drei Sorten von Menschen gibt. Solche, die bis drei zählen können und solche, die es nicht können.
Damit sollten wir leben können.
Vermischtes und Verwischtes
Ein Namensproblem
Ein Verwaltungsgericht in Göttingen hat entschieden, dass ein Mädchen aus Niedersachsen ihren Namen ändern darf. Weil sie den gleichen Vornamen wie eine bekannte Sprachassistenz trägt, wurde sie in der Schule gemobbt. Die anderen Kinder sollen dem Mädchen immer wieder erniedrigende Befehle erteilt haben. 22.7.2022Kann ich verstehen. Wer will schon “Ok Google” heißen? Und müsste es nicht “seinen Namen” heißen?
Britischer Humor
Vor längerer Zeit habe ich hier etwas über die besondere Form des britischen Humors geschrieben, betreffend die herrschende politische Klasse in diesem Konglomerat aus sich gegenseitig verachtenden Nationen auf zwei Inseln und einigen Eilanden (ich sage nur: vier selbständige Fußballvereinigungen in UEFA und FIFA!).
Es geht aber viel besser, nämlich böser, sarkastischer und vernichtender, als dies ein Festländer jemals könnte. Ich erwähne nur die regelmäßigen giftigen Spöttereien von A.L. Kennedy in der Süddeutschen. Und es geht noch besser! Schauen Sie mal Bye Bye Boris von Jonathan Pie:
Es geht aber viel besser, nämlich böser, sarkastischer und vernichtender, als dies ein Festländer jemals könnte. Ich erwähne nur die regelmäßigen giftigen Spöttereien von A.L. Kennedy in der Süddeutschen. Und es geht noch besser! Schauen Sie mal Bye Bye Boris von Jonathan Pie:
Ein gutes Werk...
... zu tun sollte nicht nur Pfadfindern Pflicht und Freude sein, sondern auch uns. Ich habe ein gutes Werk getan und Geld gespendet für eine Organisation, die Häftlinge im wahrsten Sinne des Wortes freikauft. Häftlinge, die wegen eines Nazigesetzes im Gefängnis sitzen, denn sie haben eine Straftat begangen, indem sie ein “erschlichenes Beförderungsentgelt” nicht bezahlt haben, in den meisten Fällen nicht bezahlen konnten wegen Mangel an Geld.Mehr dazu in der SZ vom 8.12.2021 oder direkt bei der Initiative Freiheitsfond. Ein Hinweis der Initiatoren: “Eine Spendenquittung können wir leider nicht ausstellen, da das Finanzamt das Freikaufen nicht als gemeinnützig ansieht.”
In diesem Sinne:
Reiner










