Samstag, 13. Januar 2018

Meine Straße

Meine Straße ist eigentlich eine Sackgasse, aber eine richtige Gasse ist es auch wieder nicht. Es gibt zwar keine Bürgersteige wie bei einer städtischen Gasse, doch die Häuser stehen nicht eng an eng am Straßenrand, sondern locker mit Abstand zur Straße. Es gibt freie Flächen, unbebautes Land, Vor- und Hintergärten und an manchen Stellen einfach Baumaterial, das rumsteht und auf Gebrauch wartet.




Die Häuser haben maximal 2 Geschosse und die ältesten sind höchstens 80 Jahre alt und stammen aus verschiedenen Epochen seither. Sie sind gepflegt, modernisiert und werden von Familien bewohnt, die weder reich noch arm sind, solider Mittelstand mit Hang zum Do-it-yourself und zur Nachbarschaftshilfe. Nichts ist schon endültig, alles noch im Fluss, Veränderung ist der Normalzustand, und dennoch wirkt alles gelassen und in sich ruhend.



Sackgasse wiederum heißt, es gibt keinen Durchgangs- sondern nur Anliegerverkehr und es sind mehr Fußgänger unterwegs als Autos. Man grüßt sich vertrauensvoll, streichelt den Hund des Nachbarn. An warmen Tagen stehen nachmittags die Erwachsenen auf der Straße und unterhalten sich, die Männer gerne mal mit einer Flasche Bier in der Hand.
Aber das schönste ist: Es ist eine Straße mit Kindern.



Kein Tag vergeht, ohne das drei vier oder mehr Kinder im Alter zwischen 2 und 5 Jahren in meiner Straße zu sehen sind. Bei jedem Wetter und jeder Temperatur fahren sie mit ihrem Bobby-Car, mit dem Laufrad, dem Fahrrad oder auch auf Rollschuhen die Straße vor und zurück, oder sie spielen im Sand der Baustelle mit ihren Gerätschaften.



Sven ist selten ohne seinen Kinder-Werkzeugkasten unterwegs und bedient schon souverän seine Werkzeuge, die Plastikbohrmaschine und die Kettensäge. Louisa fegt mit ihrem rosa Kinderfahrrad über die Straße, stolz auf den rosaroten Schutzhelm. Ihr Zwillingsbruder Mario erkundigt sich immer, wohin ich gehe, was ich eingekauft habe, und überhaupt ...
Björn von gegenüber hilft seinem Vater bei der Umgestaltung des Gartens und der Befestigung der Böschung, und natürlich wird er dabei von Sven tatkräftig unterstützt.

Manchmal bemalen die Kinder mit farbiger Kreide das Verbundpflaster an unserem Haus und freuen sich über die Muster, die sie uns stolz präsentieren. 




Auf dem Nachbargrundstück steht ein Trampolin mit Käfig. Ältere Kinder hüpfen, und ihr Kreischen macht die Jüngeren neidisch.

Ich sitze im Sommer auf der Terrasse, im Winter oft vor dem Fenster, schaue und freue mich.




Nur vormittags ist wenig los. Dann sind alle Kinder im Kindergarten, der praktischerweise direkt am Anfang der Straße liegt.




Meine Straße ist eine ganz besondere Straße mit viel Herz.