Informativ, unterhaltsam, atmosphärisch dicht
“An den Ufern der Seine ist weder literarische Fiktion noch akademische Analyse, sondern ein erzählerisches Porträt des Pariser Lebens in der Zeit zwischen 1940 und 1950: eine Rekonstruktion, eine Bildcollage, ein Kaleidoskop von Schicksalen, das auf verschiedenen Quellen und Dokumenten beruht”, schreibt die Autorin auf S.29.
Zu diesen Schicksalen gehören Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus, Boris Vian, Samuel Beckett, Arthur Koestler, Juliette Gréco, Richard Wright und viele andere.
Agnes Poirier gibt einen informativen, atmosphärisch dichten und gleichzeitig unterhaltsamen Einblick in die Lebensumstände und Arbeitsbedingungen französischer Künstler und Intellektueller vom Beginn des Krieges bis zur Befreiung von Paris und den unmittelbaren Jahre danach. Einer Zeit des politischen und ökonomischen Abstieg Frankreichs und des gleichzeitigen Aufstieg als ‘kultureller Supermacht’. Sie erkundet die Ursprünge des Existenzialismus, sieht in Simone Beauvoir, aber auch in Brigitte Bardot und Francoise Sagan die Emanzipation der Frau und den Feminismus am Horizont auftauchen. Sie beschreibt die fatale Attraktivität der kommunistischen Parteien für viele Intellektuelle und welche Anziehungskraft das Pariser Milieu auf amerikanische Künstler, schwarze Musiker und Schriftsteller hatte.
Agnes Poirier gibt einen informativen, atmosphärisch dichten und gleichzeitig unterhaltsamen Einblick in die Lebensumstände und Arbeitsbedingungen französischer Künstler und Intellektueller vom Beginn des Krieges bis zur Befreiung von Paris und den unmittelbaren Jahre danach. Einer Zeit des politischen und ökonomischen Abstieg Frankreichs und des gleichzeitigen Aufstieg als ‘kultureller Supermacht’. Sie erkundet die Ursprünge des Existenzialismus, sieht in Simone Beauvoir, aber auch in Brigitte Bardot und Francoise Sagan die Emanzipation der Frau und den Feminismus am Horizont auftauchen. Sie beschreibt die fatale Attraktivität der kommunistischen Parteien für viele Intellektuelle und welche Anziehungskraft das Pariser Milieu auf amerikanische Künstler, schwarze Musiker und Schriftsteller hatte.
Vielfältige Quellen zieht die Autorin heran und ihre Sprachkenntnisse erlauben ihr auch eine Auseinandersetzung mit amerikanischen und englischen Quellen im Original.
Ich hätte dennoch einige kleinere Einwände, die aber den Gesamtcharakter des Buches nur unwesentlich beeinflussen:
Brigitte Bardot als “neues Gesicht des Feminismus” (S.28) zu bezeichnen, scheint mir recht gewagt zu sein. Das gleiche gilt für die Rolle von Francoise Sagan, die laut Agnes Poirier in die Fußstapfen von Simone de Beauvoir trat (S.196).
Brigitte Bardot als “neues Gesicht des Feminismus” (S.28) zu bezeichnen, scheint mir recht gewagt zu sein. Das gleiche gilt für die Rolle von Francoise Sagan, die laut Agnes Poirier in die Fußstapfen von Simone de Beauvoir trat (S.196).
Quellenkritik ist nicht die Stärke der Autorin, so im Fall von Gerhard Heller, dem deutschen Zensor der Besatzungsregierung, den sie für meinen Geschmack zu unkritisch zitiert.
Andere Mängel und Fehler hätte ein aufmerksames Lektorat vermeiden können: Sartre geriet 1940 ganz unspektakulär in deutsche Kriegsgefangenschaft (Im Elsass, in der Gegend von Brumat) und wurde nicht “verhaftet”, wie es auf S.55f heißt. Die Porte d’Italie liegt nicht im Nordwesten von Paris (S.117), sondern logischerweise im Südosten. Ein Satz wie: “Jedem Franzosen standen [1946, R.W.] drei Scheiben Brot täglich zu, mehr als die Nazis ihnen 1942, im schlimmsten Kriegsjahr, gewährt hatten” (S.180) erscheint mir nicht logisch. Es hätte wohl ‘weniger’ heißen müssen.
Andere Mängel und Fehler hätte ein aufmerksames Lektorat vermeiden können: Sartre geriet 1940 ganz unspektakulär in deutsche Kriegsgefangenschaft (Im Elsass, in der Gegend von Brumat) und wurde nicht “verhaftet”, wie es auf S.55f heißt. Die Porte d’Italie liegt nicht im Nordwesten von Paris (S.117), sondern logischerweise im Südosten. Ein Satz wie: “Jedem Franzosen standen [1946, R.W.] drei Scheiben Brot täglich zu, mehr als die Nazis ihnen 1942, im schlimmsten Kriegsjahr, gewährt hatten” (S.180) erscheint mir nicht logisch. Es hätte wohl ‘weniger’ heißen müssen.
Ebenso undurchsichtig ist das Layout für Zitate. Manchmal werden sie eingerückt, oft aber in den Text integriert, manchmal im Original, manchmal in übersetzter Form abgedruckt. Das System erschloss sich mir nicht wirklich.
Das Buch enthält dankenswerter Weise eine Zeittafel, ein ausführliches Personenregister und einen Anmerkungsapparat, aber kein Quellenverzeichnis und kein Verzeichnis der benutzten Literatur.
Man kann das Buch als flott geschriebene Klatsch- und Tratschgeschichte des französischen (und das heißt: des Pariser) intellektuellen Lebens und der ideologischen Kontroversen zwischen 1940 und 1950 lesen und qualifizieren, muss aber nicht, denn die Autorin überzeugt mit ihren treffenden Charakterisierungen, der prägnanten Sachdarstellung und vor allem, und das hat mich überrascht, der Darstellung der vielfältigen Beziehungen zwischen französischen und amerikanischen Intellektuellen und Künstlern in der Nachkriegszeit.
Resümee:
Eine Lektüre, die man unbedingt empfehlen kann. Wer in den philosophischen Streitfragen der damaligen Zeit tiefer eintauchen will, dem empfehle ich jedoch das Buch von Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten.
(Punktabzug nur für die Schwächen beim deutschen Lektorat.)
(Punktabzug nur für die Schwächen beim deutschen Lektorat.)
