Montag, 8. Juni 2020

Spannende Tage im Juni: #2 COVID-19

Konjunkturprogramm der Bundesregierung

Trickle Down


Spiegel Online meldet:

“Die zeitlich befristete Absenkung der Mehrwertsteuer soll das Einkaufen für den Rest des Jahres so attraktiv machen, dass die Nachfrage schnell steigt und damit auch die Produktion angekurbelt wird. Statt bisher 19 sollen nur noch 16 Prozent fällig sein, der ermäßigte Satz - etwa für Grundnahrungsmittel - soll von sieben auf fünf Prozent sinken. Die Händler sollen diese Entlastung an die Kunden weitergeben. Es wird also alles billiger. So weit jedenfalls die Theorie.”

Meine Rechenbeispiele:
Morgens gehe ins Cafe und trinke einen großen Milchkaffee.
Preis  mit 19% Mwst: 3,70€
neuer Preis mit 16% Mwst: 3,60€ Ersparnis: 0,10€

Anschließend gehe ich in die Stadt einkaufen. Eine neue Cargo-Hose.
Preis  mit 19% Mwst: 69,95€
neuer Preis mit 16% Mwst: 68,19€ Ersparnis: 1,76€

Ein Buch im Buchhandel:
Preis  mit 7% Mwst: 22,00€
neuer Preis mit 5% Mwst: 21,59€ Ersparnis: 0,41€

Monatseinkauf Grundnahrungsmittel (ohne Genussmittel)
Gesamtausgaben mit 7% Mwst: 500,00€
neuer Preis mit 5%Mwst: 490,65€ Ersparnis: 9,35€

Ich bin ganz sicher: Keine dieser Ersparnisse wird meine Kauflust anreizen. Auch die Einkommensverluste derjenigen, die seit Wochen auf Kurzarbeit stehen oder überhaupt keine Einkommen haben, wie viele Selbstständige, wird durch die Steuerermäßigung nicht ausgeglichen. Und es ist noch nicht mal sicher, ob die Steuersenkung an die Kunden weitergegeben wird (siehe SPIEGEL). Viele Preise sind “marktpolitisch”. Die 22€ beim Buch werden sicher nicht durch den neuen Preis von 21,59 ersetzt werden. Im Cafe wird es ähnlich sein. Bei anderen Produkten wie Benzin ist der Endpreis so gut wie gar nicht von der Höhe der Mehrwertsteuer abhängig. Hier entscheidet allein die Tageszeit und der Preis am Weltmarkt.

Was soll das also? Der Staat gibt als Folge der Krise Milliarden Euro mehr aus und nimmt Milliarden Euro weniger ein. Die Verschuldung wird steigen und damit ein Wechsel auf die Zukunft (unserer Kinder) ausgestellt. War’s das?

Nun ja, vielleicht hat man in der Bundesregierung die Hoffnung, dass wenigstens die Unternehmen entlastet werden, gerade weil sie die niedrigeren Steuern nicht an die Kunden weitergeben und dadurch einen kleinen Zusatzgewinn realisieren. Aber Einkommensverluste wird man durch diese Maßnahme nicht ausgleichen können. Wer durch die Pandemie  ärmer geworden ist, wird es vorerst bleiben, 

Ergänzung:
Ich sollte mir vielleicht besser einen VW Touareg, Mindestpreis  60.995,00 €  kaufen. Bei dem neuen Steuersatz von 16% ergäbe das einen Preis von 59.457€ und eine Ersparnis von 1537€. Das wäre dann schon eher was. 


Gibt es nichts Schlaueres? Aber natürlich! Und wo? (Demnächst!)