Samstag, 16. September 2017

Mein Frankreich - immer wieder mal


SZ vom 25. August 2017


Eine Glosse in der SZ - und drei Erinnerungen

Soulac

Einige Sommer lang bin ich in den 70er und Anfang der 80er Jahre regelmäßig mit Frau und später auch Kind in Soulac, damals noch ohne Zusatz "sur mer", wenn ich mich recht erinnere. In der Nähe gibt es einen weitläufigen Campingplatz 'Le Gurp', der besonders bei deutschen Campern - jung, alternativ, aus dem Rhein-Main-Gebiet - beliebt ist. Der Atlantik ist nah, der Strand unendlich lang, die Sonne heiß, man zeltet im Schatten unter Pinien, deren Äste in der Hitze knacken, und im Juni, zum Beginn der Saison, hat man noch unglaublich viel Platz.

Baguette, Croissants, Milch und Joghurt gibt es am Platz. In Soulac kauft man größer ein, besucht die Cafes und die Markthalle. Dort höre ich im Supermarkt zum ersten mal in Frankreich einen deutschen Hit über den Lautsprecher: "Da, Da, Da" von Trio. Von da an ist mir klar, dass Deutschland auch in der Popkultur in Frankreich angekommen ist.
Tage und Wochen voll Unbeschwertheit, Erholung und Sonnenbrand. Ich denke gerne an Soulac zurück.



Andouille

Mein Sohn ist schon größer und wir wollen wieder an den Atlantik, bleiben aber an der Loire hängen - denn es ist heiß. Wir haben einen ruhigen Campingplatz in der Nähe von Tours und in direkter Nachbarschaft gibt es ein sehr schönes, großes Schwimmbad.
Morgens besuchen wir die Schlösser an der Loire und nachmittags geht es ins Schwimmbad. Perfekt für mich und das Kind, das täglich zeigen kann, was es alles schon im Schwimmverein gelernt hat. Ich halte mich zurück.

Auf einer der Touren besuchen wir das Schloss Ussé, ein eher kleineres Schloss, aber sehr pittoresk. Es soll angeblich Vorbild für das 'Dornröschenschloss' gewesen sein.
Nach der obligatorischen Schlossbesichtigung haben wir Hunger und begeben uns ins gegenüberliegende Restaurant. Mein Sohn bestellt 'Würstchen mit Pommes', mir fällt die Auswahl schwerer, aber auf der Karte steht auch als Spezialität 'Andouille'.
Für mich ist die Entscheidung klar: "Ich bestelle den Fisch", erkläre ich meinem Sohn.
Nach der üblichen Wartezeit ergibt sich eine merkwürdige Szene: Während das Hauspersonal an der Tür zum Speiseraum neugierig und erwartungsvoll unseren Tisch beobachtet, wird von einem Ober mit Grandezza die Andouille auf einem Teller serviert: Eine kross gebratene Bratwurst liegt vor mir. Ich bin erstaunt.

Mutig steche ich mit der Gabel in das Stück Fleisch. Eine intensive Duftwolke aus Urin, totem Gewebe und Gewürzen steigt mir entgegen und raubt mir den Atem. 'Toller Fisch', kommentiert mein Sohn, während ich versuche meinen Mageninhalt zu behalten.
Natürlich esse ich tapfer den 'Fisch' zu Ende, eine zweite Blöße werde ich mir nicht geben. Im Restaurant ist man begeistert.

Auf der Rückfahrt beschäftigt mich der 'Fisch' weiterhin. Ich muss mehrmals meinem Magen die Gelegenheit geben Dampf abzulassen, was jedesmal dazu führt, dass das Auto mit einer ungewöhnlichen Duftwolke erfüllt wird. Der 'Fisch' begleitet uns bis zum Campingplatz, bleibt aber an seinem Platz. Ich bin erleichtert und auch ein klein wenig stolz.



Sophie Burfeind

Sie war meine Schülerin für 2 Jahre in den Fächern Mathematik und PoWi. Der Respekt vor ihrer Privatsphäre verbietet es mir, hier mehr von ihrer Schulzeit zu berichten. Nur soviel: Sie war eine Schülerin, an die man sich gerne erinnert; und es gäbe ausschließlich Positives zu berichten.
Ich habe ihr höhere Mathematik beigebracht und die theoretischen Grundlagen der staatlichen Ordnung Deutschlands vermittelt. Bei ihr könnte ich heute lernen, wie man kurze, knackige Berichte schreibt.