ISBN 9783328600855 Gebunden, 384 Seiten, 22,00 EUR
Ende der 50er-Jahre
war der sogenannte “Mecki-Haarschnitt” bei kleinen Jungs angesagt. Er bezog sich auf die bekannte Comicfigur und glich einem amerikanischen GI-Schnitt. Das heißt, die Haare wurden sehr kurz geschnitten und standen senkrecht nach oben. Auch ich wollte das als ca. Achtjähriger und ließ mich mutig beim Friseur darauf ein. Aber leider, leider. Bei mir standen die Haare nicht senkrecht nach oben, sondern lagen platt auf meinem Kopf. Meine Mutter sagte: „Du siehst aus wie ein verhungertes Russenkind!“ Woher hatte sie diese Information?
Der Friseur im Rastatter Dörfel, in der Nachbarschaft der „Kaserne“, war Rudolf „Rudel“ Dotzauer. Alle gingen zu ihm. Ein Haarschnitt für mich als Kind und Jugendlicher kostete 1,70 DM, Trinkgeld gab es keines. Den Haarschnitt nannte man Fasson, er war an den Seiten sehr kurz und hatte einen Seitenscheitel. Bevor man den Friseursalon verließ, wurde man mit Kölnisch Wasser eingenebelt. Erst dann konnte man unter größter Vorsicht den Laden verlassen: „Hoffentlich sieht mich keiner!”
Zuhause angekommen, waren die Kommentare immer vernichtend: „Ah, wieder ein Hitlerjungen-Schnitt!“
Mit 14 kam dann die Erlösung. Ich durfte einen anderen Friseursalon „in der Stadt“ aufsuchen und mir einen sogenannten „Rundschnitt“, in der Familie auch „Franzosen-Schnitt“, machen lassen, das heißt mit Haaren bis in den Nacken und mit „Koteletten“. Stolz posierte ich vor dem Spiegel. Meine vormals französisch verheiratete Tante kommentierte: „Sieht toll aus!“
Ich war vom Status des Kindes in den des Jugendlichen aufgestiegen.
Foto aus meinem Wehrpass; erstellt ca 1967
Jahrelang war dann ein Friseur-Besuch überhaupt nicht mehr angesagt. Man schnitt sich die Haare selbst, wenn überhaupt. Wild und gefährlich war das Leben geworden.
Jahrzehnte später, als ich bereits in der Moosbergstraße in Darmstadt wohnte, habe ich mir in der nahegelegenen Cambrai-Fritsch-Kaserne, die von einer amerikanischen Einheit bezogen worden war, im Barber-Shop einen originalen GI-Haircut machen lassen. Bilder davon gibt es nicht. (Ist wohl auch besser so.)
Einen Tag, nachdem ich diesen Beitrag geschrieben habe, sitze ich bei meinem „Hausfriseur“ in Darmstadt und erhalte die schreckliche Nachricht, dass der Salon im August für immer schließt, da sich kein Nachfolger gefunden habe.
Damit endet eine über 40jährige Geschäftsbeziehung und ich muss mich wieder auf die Suche machen Aber Rettung naht: Seine Mitarbeiterin, die mir ebenfalls immer wieder meine Haare zu meiner (und Sabines) voller Zufriedenheit schnitt, wechselt in einen anderen Salon in Darmstadt und nimmt mich gerne als Kunde mit. Ufff.
In der SZ vom 28./29. Dezember 2024 (Bazahlschranke!) ist ein bemerkenswerter Artikel erschienen:
Luxus-SUVs mit Macken
Getestet wurden drei SUV’s:
Audi SQ6 e-tron,
Cadillac Lyric und
Polestar 3 (eine Volvo-Tochter).
Die Preise bewegen sich zwischen günstigen 78 900€ und 93 800€.
Einige wenige Zitate:
“Alle drei Kombattanten haben jeweils einen Motor auf der Vorder- und der Hinterachse: Rund 500 PS sind mehr als genug Leistung, um die Kisten durch die Kurven oder über die Autobahn fliegen zu lassen.”
Der Lyrik, ein “Koloss mit 2,20 Meter von Rad zu Rad” in der Breite(!) und “der mit 2,7 Tonnen Leergewicht einen traurigen Rekord in diesem Test markiert...”
“Die Odysee durch die polaren Welten beginnt mit einem schwarzen Loch: Während der Fahrt stürzt das Anzeigesystem im Polestar 3 ohne jede Vorwarnung komplett ab. Bis die Elektronik wieder hochfährt, befindet sich der Fahrer für ein paar Minuten im Blindflug - zumindest in Bezug auf die Navigation und die Geschwindigkeit. [...] An einem der folgenden Tage wird sich das Head-up-Display erneut für ein paar Stunden verabschieden.”
“Der versprochene Ladehub von zehn auf 80 Prozent in 30 Minuten erscheint bei kühlem Wetter völlig illusorisch.”
“Über 300 Kilometer Reichweite kommt keiner der Kombattanten hinaus: Zumindest dann, wenn die Batterie mit Rücksicht auf die Haltbarkeit nicht über 80 Prozent geladen wird.”
Resümee
“Alle Testwagen sind als Reisebegleiter in der kalten Jahreszeit nur bedingt zu empfehlen.”
Mein Resümee: 78 00€ für eine Reichweite von 300 Kilometer im Winter?.😅😅😅
Gedenktafel, Generalkonsulat der USA, 12 Bd Paul Peytral, 13006 Marseille, Frankreich
Foto: K.Wadel
Text übersetzt:
Varian Fry, ein amerikanischer Journalist, kam im August 1940 als Freiwilliger des Emergency Rescue Committee, New York, nach Marseille, um 200 antifaschistische Intellektuelle, Schriftsteller und Künstler vor der Auslieferung an die Nazibehörden zu retten. Er blieb 13 Monate lang, bevor er von der Vichy-Regierung aus Frankreich ausgewiesen wurde. In dieser Zeit verhalf er über 2.000 Menschen zur Flucht vor den Nazis, oft unter Einsatz seiner eigenen Sicherheit. 1967 erhielt Varian Fry von der französischen Regierung das "Croix de Chevalier de la Légion d'Honneur", und 1996 wurde er posthum in Yad Vashem, Israel, als erster Amerikaner mit dem Titel Gerechter unter den Völkern geehrt.
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
Der Text auf der Tafel ist leider unvollständig. Es fehlt der Hinweis, dass Varian Fry sich mit allen damaligen Institutionen anlegte, mit der amerikanischen Regierung ebenso wie mit der französischen Vichy-Regierung. Er arbeitete mit vielfältigen Tricks, kooperierte mit Passfälschern und Kriminellen in Marseille und nicht zuletzt mit Fluchthelfern wie Lisa Fittko und ihrem Mann Hans. Ein Jahr lang war Varian Fry eine Schlüsselfigur für verzweifelte Flüchtlinge aus dem besetzten Frankreich.
Von Varian Fry las ich zum ersten Mal im März 1990 in Hans Sahls Buch Die Wenigen und die Vielen, ein zweites Mal bei demselben Autor in Das Exil im Exil und ein drittes Mal im selben Jahr bei Lisa Fittkos Mein Weg über die Pyrenäen, ohne dass diese Lektüren jedoch einen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen hätten. Erst Jahrzehnte später, im Mai 2020, tauchte sein Name im Zusammenhang mit dem Thema Exil in Frankreich wieder auf, das mich von da an beschäftigte. Auslöser war für mich die zufällige Lektüre von Sibylle Bedfords Treibsand, die mich wiederum zu Manfred Flügges Das flüchtige Paradies führte, und erst als ich dort die Würdigung von Varian Fry las (S.193ff), fiel der Groschen.
Nebenbei: Vieles, was Wittstock in Marseille 1940 geschrieben hat, kann man bei Flügge nachlesen. Dessen Buch ist allerdings schon 2019 erschienen und in kürzerer Form eigentlich schon 1996 - damals aber noch ohne ausführliche Würdigung des Wirkens von Varian Fry.
Hans Sahl, von den Nazis verfolgt und im französischen Exil von seinen ehemaligen kommunistischen Freunden verstoßen, wurde 1939 wie viele andere Exilanten von den französischen Behörden in verschiedenen Lagern gefangen gehalten, bevor ihm die Flucht nach Marseille gelang wo er auf Varian Fry traf (s.u.).
Varian Fry in Marseille. France, 1940–1941.
US Holocaust Memorial Museum, courtesy of Annette Fry
In einem Brief an Thomas Mann vom 17.3.1941 schreibt Hans Sahl über Varian Fry:
Er kam lächelnd nach Marseille, ein sympathischer junger Mann, kultiviert, liebenswürdig, kameradschaftlich, mit einer roten Nelke im Knopfloch. Er liebte die Kunst, die Menschheit und die traurigen Reste der einstmals so berühmten französischen Küche und des französischen Weinkellers. Aber die Ereignisse und die Situation, in die er gestellt wurde, haben diesen Menschen verwandelt. Er ist eine bedeutende Erscheinung geworden. In neun Monaten mühevollster, konsequenter Arbeit hat Fry aus dem Comitée in Marseille das gemacht, was es heute ist: eine G.m.b.H. zur Rettung bedrohter Menschen, und dies unter den Augen der Gestapo und der französischen Sûreté, man bedenke! Fry hat dabei sehr geschickt die legale Fassade der Visenverteilung und der finanziellen Beihilfe benutzt, um dahinter das illegale Geschäft des Menschen-Fortschaffens und -Versteckens ungestörter betreiben zu können. Eine Meisterleistung! (Hans Sahl: Exil im Exil, S.102)
Ich hätte mich gerne auf die Spuren von Varian Fry in Marseille begeben, hatte aber keine Möglichkeit dazu. Deshalb habe ich meinen Sohn Kristian gebeten, anlässlich eines Kurzurlaubs in Marseille 2024 die verschiedenen Stationen von Varian Fry in Marseille abzugehen und zu dokumentieren.
Aus: Ohne zu zögern. Varian Fry: Berlin-Marseille-New York. Aktives Museum, Berlin 2007; S.153
Marseille - Cannebière 1940
Von seiner ersten Begegnung (als “Kobbe”) mit Varian Fry hat Hans Sahl uns eine schöne Szene überliefert, die ich hier im Wortlaut wiedergeben möchte. (Hans Sahl: Die Wenigen und die Vielen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1959, S.256 f)
»Es begann in einem Café an der Cannebière...«, sagte Kobbe.
»Sie scheinen ziemlich viel in Cafés gesessen zu haben«, sagte das Mädchen mit der künstlichen Blume.
»Sie waren für uns eine Art nationaler Heimstätten geworden«, sagte Kobbe. »Man wohnte im Café, schlief im Café, schreibt Abschiedsbriefe im Café. Nun also, ein Freund kam an meinen Tisch, ein sehr witziger Mensch, und sagte mir leise, ein Mann wäre im Hotel Splendide abgestiegen, ein Amerikaner, mit einem Haufen Dollar und einer Liste von Leuten, die gerettet werden sollten. ›Ihr Name steht auch drauf. Rufen Sie sofort an. Er wartet auf Sie.‹ Ich sagte, mir wäre nicht nach Witzen zumute, aber dann rief ich doch im Hotel an und fragte nach jenem geheimnisvollen Herrn. Er meldete sich sofort. ›Wie war Ihr Name? Oh, yes, Kobbe, kommen Sie sofort herüber, ich warte auf Sie!‹ (S.256)
Hans Sahl:
Als ich zehn Minuten später im Hotel ankam, standen zwei deutsche Offiziere in der Halle. Ich ging an ihnen vorbei, zum Fahrstuhl, fuhr hinauf, und als ich die Tür öffnete und eintrat, kam mir ein freundlicher junger
Mann in Hemdsärmeln entgegen, legte den Arm um mich, stopfte mir einige Geldscheine in die Tasche, zog mich zum Fenster und wisperte, wie ein nicht sehr guter Schauspieler, der eine Verschwörerrolle spielen soll: ›Wenn Sie mehr brauchen, kommen Sie wieder. Inzwischen werde ich Ihren Namen nach Washington kabeln. Wir werden Sie hier herausbringen. Es gibt Wege, Sie werden sehen, oh, es gibt Wege...‹ Er goß mir ein Glas Whisky ein. ›Übrigens brauchen Sie einen neuen Anzug. Sie können nicht mehr so herumlaufen. Wir werden Ihnen morgen einen hübschen Sommeranzug kaufen.‹ Ich goß den Whisky herunter und sagte abwechselnd ›Thank you very much, Sir‹ und ›Danke vielmals‹ und ›Merci, monsieur‹. Sie müssen sich vorstellen: die Grenzen waren gesperrt, man saß in der Falle, jeden Augenblick konnte man von neuem verhaftet werden, das Leben war zu Ende - und nun steht da plötzlich ein junger Amerikaner in Hemdsärmeln, stopft dir die Taschen mit Geld voll, legt den Arm um dich und zischelt mit schlecht gespielter Verschwörermiene: ›Oh, es gibt Wege, Sie herauszubringen‹, während dir, verdammt nochmal, die Tränen über die Backen laufen, ja, scheußlich, richtige, dicke Tränen, und der Kerl, der gemeine, übrigens ein ehemaliger Harvard-Student, nimmt nun auch wirklich sein seidenes Taschentuch aus der Jacke, die über dem Stuhl hängt, und sagt: ›Hier, nehmen Sie. Es ist nicht ganz sauber, Sie müssen schon entschuldigen.‹ Und, sehen Sie, seitdem liebe ich Amerika, weil es diese Dinge so nebenbei, und doch mit Umsicht und praktischem Verstand tut und weil da doch immer, wenn es nicht mehr weiterzugehen scheint, irgendein Mann in Hemdsärmeln vor dir steht und sagt: ›Oh, there are ways, you know...‹
(Hans Sahl: “Die Wenigen und die Vielen”, S.256.)
Diese Szene erschien Hans Sahl so bezeichnend, dass er sie Jahre später, 1990, in seinem Buch Das Exil im Exil fast wörtlich wiedergab. Im öffentlichen Bewusstsein spielte Varian Fry damals aber noch keine Rolle.
Weil der Andrang von Fluchtsuchenden immer größer wird, sucht Varian Fry sehr bald eine neue Unterkunft für seine Organisation, die er jetzt aus Tarnungsgründen in Centre Américain de Secours (CAS; beziehungsweise American Relief Center) umbenennt.
Varian Fry schreibt:
Etwa zur gleichen Zeit lernte ich einen französisch-jüdischen Geschäftsmann kennen, der die Zeichen der Zeit erkannt und sich entschlossen hatte, sein Geschäft in Marseille aufzugeben, bevor er es nur noch zu einem Schleuderpreis verkaufen konnte. Er handelte mit Handtaschen, Notizbüchern, Brieftaschen, Geldbörsen und Ledermoden. Er trat uns sein Büro im zweiten Stock eines alten Gebäudes in der Rue Grignan ab: mietfrei bis zum Jahresende. Wir zogen ein, noch bevor er ausziehen konnte und eröffneten dort Ende August den Centre. Ein paar Tage lang herrschte ein heilloses Durcheinander aus Brieftaschen, Packkisten und Umzugsleuten, in dem sich die Flüchtlinge irgendwie zurechtfinden mußten, und es dauerte einige Zeit, bis wir alles in Ordnung gebracht, die Ladeneinrichtung entfernt und durch Tische und Stühle ersetzt hatten.
(Varian Fry, Auslieferung ..., a.a.O. S.51)
Foto: K.Wadel
Varian Fry konnt jetzt auf die Mithilfe weiteren Personen rechnen, darunter Hans Sahl, Miriam Davenport, und Stéphane Hessel, der ihm auf Frys Wegen in Südfrankreich behilflich ist. Mary Jane Gold “eine reiche Amerikanerin, die schon länger in Südfrankreich lebte, machte eine großzügige Spende für das CAS, übernahm auch immer wieder Hilfsarbeiten, so die schwierige Aufgabe, durch Gespräche mit den bis zu 100 Besuchern pro Tag diejenigen herauszufinden, die den Kriterien für eine Fluchthilfe entsprachen.Flüchtlinge, die nicht als Intellektuelle oder Künstler gelten konnten, wurden an andere Organisationen verwiesen oder zumindest finanziell unterstützt.” (Flügge, a.a.O. S.198)
Foto: K.Wadel
Varian FRY
a installé les bureaux du Centre Américain de Secours dans cet immeuble, en 1940, pour sauver les intellectuels et les Artistes Européens menacés par les persecutions Nazies. Le Comité FRY a porté assistance à plus de 2000 personnes entre 1940 et 1942
“Unter den neu Hinzugekommenen waren auch der ehemalige Mitarbeiter der Pariser Polizei, Daniel Bénédite, und der Chemiker Jean Gemähling, deren französische Staatsangehörigkeit das CAS zusätzlich als französische Organisation legitimierte. Die Arbeit im CAS ermöglichte es, politisches Engagement und Absicherung des Lebensunterhaltes zu verbinden; viele entschieden sich auch vor dem Hintergrund eigener Verfolgungserfahrungen für eine Mitarbeit.”
(Marion Neumann: Ohne zu zögern - Die Fluchthilfe des »Centre Américain de Secours« (CAS). In: Ohne zu zögern. Varian Fry: Berlin-Marseille-New York. S.152
Foto: K.Wadel
Ende Dezember verlegten wir unser Büro von der Rue Grignan in sehr viel hellere und größere Räume am Boulevard Garibaldi. Wir zogen schon ein, als unsere Vormieter, die einen Schönheitssalon betrieben hatten, noch auszogen. Waren wir in der Rue Grignan in den ersten Tagen von Brieftaschen umgeben, so arbeiteten wir nun zwischen Haartrocknern, Dauerwellenhauben, weißen Wandschirmen und mannshohen Spiegeln.
Die Besitzer des Schönheitssalons zogen jedoch sehr viel schneller aus als der Lederhändler. Zu Beginn des neuen Jahres konnten wir unsere Arbeit in Räumen aufnehmen, die in jeder Hinsicht so seriös waren wie die der Quäker oder des Roten Kreuzes. Der Polizei mochten wir weiterhin verdächtig erscheinen, aber sie konnte unser Büro nun nicht mehr als verdächtiges Loch bezeichnen. Nach außen hin hatten wir uns jetzt einen so ehrbaren Anstrich gegeben, daß die Polizei unser Büro nicht mehr ohne weiteres schließen konnte - dachten wir.
Um die Sache abzurunden, kauften wir eine große amerikanische Fahne, zogen sie auf einen zwei Meter hohen Fahnenmast und stellten sie in den Interview-Raum. Wir wollten uns auch ein Foto des Präsidenten Roosevelt von der Botschaft leihen, aber die Botschaft besaß nur Bilder von Washington, Lincoln und Hoover.
(Varian Fry, Auslieferung auf Verlangen, a.o.O. S.219)
Foto: K.Wadel
Mai 2024: Klingelschild am Haus 18, Boulevard Garibaldi
Vor dem Eingang des amerikanischen Konsulats, dem Haus Nummer 6 an der Place Félix Baret, drängte sich Tag und Nacht die Gefährdeten, die auf ein Visum hofften. Keine 200 Meter weiter beherrschte das mächtige Gebäude der Präfektur den Platz. Der Polizeichef von Marseille, Maurice de Reodellec du Porzic war ein ergebener Diener des Vichy-Regimes.” (Flügge, a.a.O., S.197)
Foto: K.Wadel
Foto: K.Wadel
* Heute befindet sich das Generalkonsulat an der Ecke 12 Bd Paul Peytral, wo auch die Gedenktafel für Varian Fry steht (siehe oben)
Als ich die Villa Air-Bel zum erstenmal sah, war sie verrammelt wie eine Festung, Wege und Garten waren von Unkraut überwuchert und die Hecken seit Jahren nicht mehr gestutzt worden. Aber der Blick, den man von dort über das Tal auf das Mittelmeer hatte, war bezaubernd. Ich war beeindruckt von der Terrasse mit den mächtigen Platanen und den beiden großen Treppen, die links und rechts zu einem französischen Garten und einem Fischteich hinunterführten. [...]
Beamish war gegen den Plan mit der Villa Air-Bel. Bis zur Stadt benötigte man eine halbe Stunde, und es gab keine Telefonverbindung. Er war der Meinung, ich sollte in Notfällen leichter erreichbar sein. Natürlich hatte er recht. Aber ich hatte es satt, Tag und Nacht, wochentags wie feiertags, erreichbar zu sein, gerade das hatte mich völlig erschöpft. Wenn ich überhaupt noch irgendwie von Nutzen sein sollte, dann brauchte ich ein wenig Erholung, wenigstens einige Stunden am Tag. Sonst bestand die Gefahr, daß ich vor Nervosität und Niedergeschlagenheit nicht mehr würde arbeiten können.
(Varin Fry, Auslieferung auf Verlangen, S.138-140)
https://le-souvenir-francais.fr/le-monument-du-mois-33/
Fry: Man hätte schwerlich einen besseren Platz finden können, um sich zu erholen und zu entspannen. Und das Haus wurde bald zu einem beliebten Treffpunkt:
Varian Fry hatte eine Lust zum Abenteuer, zum Wagnis, in diesem Sinne war er sehr amerikanisch, er hatte aber auch eine spontane Liebe zur Kunst und zu den Künstlern, für deren Sicherheit er zu sorgen hatte. Er hatte ein Schloß in der Nähe von Marseille gemietet, in dem er André Breton und seine Frau sowie andere französische Surrealisten und den trotzkistischen Schriftsteller Victor Serge untergebracht hatte. Kerzen brannten, frugale Gerichte, die man der im Lande herrschenden Hungersnot abgerungen hatte, wurden auf erlesenem Porzellan serviert, man trank erlesene Weine aus goldenen Pokalen und jeder fragte sich, wie lange noch. Einer nach dem anderen verschwand, entweder ins Gefängnis oder in die Freiheit.
(Hans Sahl, Das Exil im Exil, a.a.o. S.92f)
A group of artists poses on the grounds of the Villa Air-Bel near Marseilles. Among those pictured are Jacques Herold, Oscar Dominguez, Andre Breton, Jacqueline Lamba Breton, Jacques Herold, and Wifredo and Helene Lam. Photographer: Andre Gomes, Date: 1941
Quelle: https://collections.ushmm.org/search/catalog/pa1155418
Varian Fry musst im August 1941 Frankreich verlassen und geriet die ersten Jahre danach nahezu in völlige Vergessenheit. Das änderte sich erst Anfang der 80er Jahre.
Unter den von Fry geretteten Personen befanden sich unter anderen Hannah Arendt, Ernst Josef Aufricht, Georg Bernhard, André Breton, seine Frau Jacqueline und Tochter Aube, Marc Chagall, Marcel Duchamp, Max Ernst, Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank, Fritz Kahn, Siegfried Kracauer, Konrad Heiden, Heinz Jolles, Wifredo Lam, Wanda Landowska, Jacques Lipchitz, Alma Mahler-Werfel, Heinrich Mann und Golo Mann, André Masson, Walter Mehring, Otto Meyerhof, Soma Morgenstern, Hans Natonek, Hans Namuth, Hertha Pauli, Alfred Polgar, Hans Sahl, Franz Werfel, Helen, Kurt und Christian Wolff. (Wikipedia)
Seit dem 3. Dezember 1997 heißt eine Straße im neu angelegten zentralen Potsdamer-Platz-Areal in Berlin „Varian-Fry-Straße“. Im überdachten Wartebereich der gleichnamigen Bushaltestelle dort ist eine zweisprachige Gedenktafel in Englisch und Deutsch mit einem Foto Frys angebracht, auf der seine Rolle als Fluchthelfer für NS-Verfolgte dargestellt wird[9]. Der Straßenname brachte die in Berlin lebende Schriftstellerin und Produzentin Anna Winger auf die Idee für die Netflix-Serie Transatlantic (s. u.: Verfilmungen). Ihr Vater, der Anthropologe und Erziehungswissenschaftler Robert A. LeVine, hatte bei einem Besuch in Berlin den Straßennamen gesehen und ihr von Varian Fry erzählt. (Wikipedia)
Wie Varian Fry jüdische Intellektuelle und Künstler rettete
Kilian Pfeffer
Le site officiel de l'Association Varian Fry France
" Pour ne pas oublier. " www.varianfry-france.fr
Varian Fry Institute (a division of the Chambon Foundation)
A Year That Mattered
Varian Fry and the Refugee Crisis, Marseille 1940-41
https://www.varianfry.org/crown1_en.htm
Varian Fry in Marseille
by Pierre Sauvage
https://www.varianfry.org/sauvage_fry_oxford_en.htm
Sehr interessant auch mit vielen Fotos:
Pages of Time
Marseille passport log sheds light on consular history
https://statemag.state.gov/2022/05/0522feat03/
Ausdrücklich warnen muss ich vor dieser Website. Sie schüttet den Leser mit Werbung zu und ist kaum vernünftig lesbar:
https://tourisme-marseille.com/fiche/hommage-au-juste-varian-fry-marseille/