... weiß man, wie man die Augen der Patienten schützt!
Dienstag, 1. Oktober 2019
Montag, 2. September 2019
Sonntag, 13. Januar 2019
Montag, 7. Januar 2019
Samstag, 5. Januar 2019
Donnerstag, 3. Januar 2019
Dienstag, 1. Januar 2019
Donnerstag, 20. September 2018
Balzac läßt grüßen
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Francoise Sagan: Ein bisschen Sonne im kalten Wasser. Aus d. Franz. von Ilse Walther-Dulk u. Robert Weisert, 1970
Ein Roman, der in der französischen Provinz und im Paris von 1967 spielt, und im Stil von Balzac und Stendhal geschrieben wurde, aber weniger umfangreich ist als die klassischen Romane des 19.Jahrhunderts.
Mächtig weht der der Geist der Zeit in dieser kleinen Liebesgeschichte, wo man in gewissen Kreisen Whisky vor, während und nach dem Theaterbesuch trinkt und sich Kollegen aus der Zeitungsredaktion mittags zum Essen im Restaurant verabreden. Man kauft und hört Schallplatten, abendliches Fernsehen gilt als Zeitvertreib der Ungebildeten und Bequemen und wird kaum verziehen. Lieber geht man in die Bar oder den Club und trinkt Whisky (siehe oben). Will man von der Provinz in die Hauptstadt telefonieren, muss man beim Postamt ein Gespräch anmelden und lange, lange warten! Und zu Hause ersetzt der Mann der Concierge die Glühbirnen in der Wohnung. Ach, Paris.
Noch ist nichts von den kommenden umstürzenden Ereignissen zu spüren, aber Francoise Sagan ahnt schon etwas. Der Roman ist aus der Sicht des Mannes geschrieben und das kommende Jahrhundert der Emanzipation deutet sich an: der Mann ist der wankelmütige, sich selbst bemitleidende Waschlappen, die Frau die emotional Stärkere in der Beziehung, auch wenn sie tragisch scheitert. Das ist dann doch noch die vergehende Epoche der Nachkriegszeit.
Die Übersetzung ist zeitgebunden etwas betulich, man findet zum Beispiel das hübsche Sprichwort vom Gast, der sich auf französisch verabschiedet. Wer kennt diese Redewendung heute noch? Im Internet kann man Nettes dazu finden, z.B. dass es Ähnliches im Französischen gibt, wo es aber heißt, "sich auf englisch zu verabschieden". (On y soit qui mal y pense.)
Noch eine Kuriosität am Rande: Im Buch fand ich ein langes braunes Haar, sicher von der letzten Leserin.
Die 219 Seiten sind schnell gelesen und bereut habe ich die dafür aufgebrachte Zeit keineswegs.
Ich habe das Buch nicht gekauft, sondern in einem öffentlichen Bücherschrank in Bessungen gefunden (das Haar!), mitten zwischen den üblichen Scheußlichkeiten aus dem Bertelsmann Lesering-Angebot; hier:
Im Internet findet man auch noch Rezensionen der Erstübersetzung, aber Vorsicht: Spoileralarm!
DER SPIEGEL vom 23.6.1969: Klick
P.S.: Im Roman von Francoise Sagan begegnet uns das Paris der 60er Jahre wieder, wir wir es in den legendären Reportagen von Georg Stefan Troller kennen lernen durften: Das 'Pariser Journal', das uns zum Beispiel durch Straßen wie die Rue Mouffetard führten, auf den Friedhof von Père-Lachaise oder ins jüdische Viertel in der Nähe der Place des Vosges: Alles sehr pittoresk und selbstverständlich in schwarz-weiß.
(Ich habe zu Georg Stefan Troller schon mal einen Blogeintrag verfasst: Sondtrack of my Life #1)
Dienstag, 7. August 2018
Was die Hausfrau noch wusste #4
Auch Kindern macht die Hitze im Sommer zu schaffen. Hier zwei Rezepte, die bei Kindern immer wieder für Begeisterung sorgen:
Würstchen mit gefrorenen Himbeeren:
Würstchen mit gefrorenen Himbeeren:
Tipp: Das Eis und die Himbeeren kühl halten. Gummibärchen als Deko erfreuen des Kindes Herz!
Haben Sie auch einen Tipp?
Haben Sie auch einen Tipp?
Sonntag, 13. Mai 2018
Wieder gelesen: Karl Marx
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| Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte. Kommentar von Hauke Brunkhorst, suhrkamp, Frankfurt am Main, 2.Auflage 2017 |
Zwei Zitate aus dem ‘Achtzehnten Brumaire’ sind vielen politisch Interessierten bekannt, auch wenn sie sonst nichts von Marx gelesen haben:
"Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce."und
"Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller todten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden."Letzteres wird gerne als Essenz eines marxistischen Geschichtsbildes benutzt.
Zum ersten Mal habe ich das Buch vor vierzig Jahren im Rahmen eines soziologischen Seminars bei Helmut Dahmer gelesen. Das Thema war “Faschismusanalysen”. Der marxistische Theoretiker August Thalheimer sah, zurückgehend auf Karl Marx' "Achtzehnten Brumaire", im Bonapartismus, der verselbstständigten Staatsmacht der Exekutive, einen sinnvollen Ansatz zur Analyse faschistischer Bewegungen der Zwischenkriegszeit im 20. Jahrhundert - und wir im Seminar auch.
Aber auch darüber hinaus hatte die Lektüre einen gewissen Reiz, denn Marx spricht in dieser Schrift Grundzüge einer Klassenanalyse an - und überhaupt ist Marx ein polemischer Stilist ersten Ranges. Selbst wer sich nicht unbedingt in die Details französischer Geschichte zwischen 1848 und 1852 einarbeiten will wird immer wieder Stellen von treffender Polemik finden, die das Lesen zum Vergnügen machen. Ganz abgesehen von Formulierungen (s.o.), die zum Zitatenschatz eines politisch gebildeten Lesers gehören (sollten).
Worin liegt die überragende Bedeutung des Buchs? Ich fasse anhand des umfangreichen und lesenswerten Kommentars von Hauke Brunkhorst (S.138 - 143) zusammen:
”Der Achtzehnte Brumaire ist erstens zu einem Wegbereiter der soziologischen und historischen Revolutionstheorie des 20. Jahrhunderts geworden.”
“Zweites ist der Achtzehnte Brumaire vor allem deshalb ein immer noch aktuelles Werk, weil sein Thema der Umschlag von Revolution in Konterrevolution und Autoritarismus ist.”
“Der Achtzehnte Brumaire ist drittens nicht nur für Geschichtsschreibung, Soziologie und politische Theorie, sondern auch für die Verfassungstheorie und die Theorie der parlamentarischen Demokratie ein klassischer, also immer noch aktueller Text”, weil er die “Verschränkung von von Staats- und Verfassungsrecht mit der Gesellschaft und ihrer politischen Ökonomie” aufzeigt.” Und
“Viertens wird der Achtzehnte Brumaire seit geraumer Zeit von postmodernen, poststrukturalistischen und postmarxistischen Autoren neu entdeckt” - ein Aspekt, den ich nicht nachvollziehen konnte und der mich auch nicht interessiert.Überraschend war für mich jedoch ein anderer Aspekt, der mich seit geraumer Zeit umtreibt: die kulturelle und politische Spaltung Frankreichs in Zentrum (Paris) und Peripherie (Provinz), die Marx schon im 19. Jahrhundert als konstitutiv und problematisch für die Entwicklung des Landes sah, und der Dualismus der französischen Verfassung damals und heute, die ein gewähltes Parlament einem vom Volk gewählten Präsidenten gegenüberstellt, also zwei Volkswillen installiert, die in Konkurrenz zueinander stehen. Marx beschreibt das so:
"Während jeder einzelne Volksrepräsentant nur diese oder jene Partei,Am 18. Brumaire (9.November) 1851 endete dieser Dualismus mit dem Staatsstreich des vom Volk gewählten Präsidenten, der die Nationalversammlung auflöst und sich ein Jahr später mit Unterstützung durch ein Plebiszit zum Kaiser ernennen lässt.
diese oder jene Stadt, diesen oder jenen Brückenkopf oder auch nur die Noth¬
wendigkeit vertritt, einen beliebigen Siebenhundertundfünfzigsten zu wählen,
bei dem man sich weder die Sache noch den Mann so genau ansieht, ist Er
der Erwählte der Nation und der Akt seiner Wahl ist der große Trumpf, den
das souveräne Volk alle 4 Jahre einmal ausspielt. Die erwählte National¬
versammlung steht in einem metaphysischen, aber der erwählte Präsident in
einem persönlichen Verhältniß zur Nation. Die Nationalversammlung stellt
wohl in ihren einzelnen Repräsentanten die mannigfaltigen Seiten des
Nationalgeistes dar, aber in dem Präsidenten inkarnirt er sich. Er besitzt
ihr gegenüber eine Art von göttlichem Recht, er ist von Volkesgnaden."
In der derzeitigen französische Verfassung ist dieser Dualismus wieder enthalten und kulminiert im Recht des Staatspräsidenten, jederzeit die Nationalversammlung auflösen und Neuwahlen ansetzen zu können, wenn das Parlament seinen politischen Willen nicht umsetzen will. Die Verfassung provoziert dadurch im Konfliktfall politische Instabilität und lädt zur autoritären Staatsführung geradezu ein: Das Volk in Person des Präsidenten kann jederzeit gegen das Volk in Gestalt der Nationalversammlung in Stellung gebracht werden.
Aktuell: Wird es Macron gelingen, die Spaltung des Landes zu überbrücken? Und was wird er machen, wenn ihm das nicht gelingt und eines Tages seine heterogene “République en Marche” zerfällt? Manche werfen ja schon heute Macron vor, seine Politikführung zeige imperiale Züge. Marx hätte sicher seine Freude an dieser Konstellation gehabt.
Nach vierzig Jahren das Buch von Karl Marx neu zu lesen war mühsam, hat aber letzten Endes doch wieder viel Spaß gemacht. Marx versteht zu bilden UND zu unterhalten.
Links:
Wikipedia: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte
Wikipedia: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte
Zusammenfassung bei Zeit Online: Klick
Originaltext bei Google Books: Klick
Digitale Originalausgabe, 2.Auflage 1869: Klick
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