Dienstag, 7. März 2017

Lust zu Lesen #3: Mein Lesejahr 2016

Lesen macht glücklich und schlau

Vier Bücher ragen aus der Leseliste des Jahres 2016 heraus, alle vier erstaunlicherweise "Kriegsbücher", die den 2. Weltkrieg thematisieren:
Von Curzio Malaparte  Die Haut und Kaputt, über beide habe ich ich bereits im Blogeintrag vom 13. Mai 2016 geschrieben,
und  zwei Bücher von Gert Ledig (* 4. November 1921; † 1. Juni 1999): "Vergeltung" 
                         und
                                       "Stalinorgel".


Gert Ledig konnte mit seinen beiden Büchern in den 50er Jahren einige Erfolge feiern, verschwand dann in der Versenkung, tauchte zur Jahrtausendwende wieder als Neuentdeckung auf und ist heute wieder nahezu verschwunden.

Beide Bücher wären es wert Schullektüre zu werden - wenn man das das Thema Krieg überhaupt noch in der Schule behandeln möchte. In beiden Büchern wird auf schonungslose Weise der brutale, entmenschlichte Krieg nahezu dokumentarisch, emotionslos, kalt dargestellt und der Schrecken und das Entsetzen  ergeben sich nicht aus der literarischen Überhöhung, sondern aus der ungeschminkten Darstellung der Wirklichkeit. Ledig macht Bilder des Schreckens in einer Sprache sichtbar, die als Einzige der Ungeheuerlichkeit der Ereignisse angemessen scheint.
(Ausführlicher Besprechungen im Perlentaucher: Stalinorgel ; Vergeltung)

Curzio: Das ist phantastische Wahrheit, bei der nie so ganz klar wird, was erfunden und was real erlebt wurde.
Ledig: Erfundenen Wirklichkeit; nichts wurde persönlich erlebt aber alles könnte genau so gewesen und erlebt worden sein.
Curzio ist der Schriftsteller, Ledig der Dokumentarist; Ledig ist Expressionismus, Curzio Surrealismus.

                                                                                                               


Sehr zu empfehlen auch: Hélène Berr, Pariser Tagebuch 1942-1944

Bei der Autorin erfahren wir, wie in Paris ab 1942 die Judenverfolgung einsetzt und unter deutscher Führung der Antisemitismus sich auch in die französische Gesellschaft frisst. 

Hélène Berr machte sich keine Illusionen: Ich habe eine Verpflichtung zu erfüllen beim Schreiben, denn die anderen müssen Bescheid wissen, denn Sie haben ein Ziel, die Vernichtung. 
Dabei fragte sie sich immer wieder Werden wir es bis zum Ende schaffen? Nein, sie schaffte es nicht. Im Februar 1944 endet ihr Tagebuch, kurz darauf wird sie verhaftet und stirbt 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Das Buch hat beeindruckt mich sehr: Seite für Seite spürt man die wachsende Unsicherheit, was die Zukunft der Autorin angeht, und mit jeder Seite wächst die Angst vor dem Kommenden und der verzweifelte Versuch, sich an die immer kleiner werdende Hoffnung, alles werde gut, zu klammern.
                                                                                                                

Im Vergleich dazu, quasi als Schonkost, nehme ich zum Jahresende ein altes Thema wieder auf: die Roaring Twenties und die Lost Generation  mit F. Scott Fitzgerald und Zelda, Hemingway, James Joyce, Henry Miller und vielen anderen, die mich schon vor mehr als 40 Jahren interessierten, als ich in einer Wühlkiste das Buch von Sylvia Beach - Shakespeare & Company - fand und für damals 1 DM kaufen konnte. Das Buch eröffnete mir eine neue literarische Welt (mehr davon in einem späteren Post).




                                                                                                                                                            

Anstoß zur neuerlichen Beschäftigung gibt ein neuer Roman von Stewart O'Nan: Westlich des Sunset, der die letzten Lebensjahre von FSF in Hollywood beschreibt, wo er als Lohnschreiber für die Filmindustrie - ziemlich erfolglos - an Drehbüchern mitwirkt.
                                                                                                                  

Der Roman wiederum motiviert mich zur Lektüre weiterer Bücher, die in den letzten Jahren zum Thema erschienen sind. 

Bei booklooker.de finde ich noch Älteres, allerdings in einer sehr ausschweifenden Sprache und betulicher Übersetzung, die mich beim Lesen einschlafen lässt:
Ungewollte Nebenwirkung: Nach der Lektüre von Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals finde ich das Buch von Stewart O'Nan doch zu sehr an der Biographie von FSF entlang geschrieben, so dass mir die Bezeichnung 'Roman" nicht mehr zu treffen scheint.










                                                                                                                   

Zwei Sachbücher zur Empfehlung, denen ich weite Verbreitung wünsche:
Karl Hepfer, Verschwörungstheorien


Hepfer erstellt einen Katalog typischer Merkmale von Verschwörungstheorien und Instrumente zur Analyse solcher Theorien (z.B. Ockhams Rasiermesser) und untersucht damit gängige Verschwörungstheorien (Nine-Eleven, Mondlandung ...) auf ihre Überzeugungskraft (die meistens nicht sehr stark ist).



Eine ausführliche Rezension findet man hier: http://literaturkritik.de/id/21134
Das älteste Argument gegen Verschwörungstheorien stammt vermutlich von Macchiavelli. Er schreibt sinngemäß in den Discorsi (1531), dass, je umfangreicher der Kreis der Verschwörer ist, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie auf Einbildung beruht, denn laut M. könne man sich nicht vor einer Offenlegung der Verschwörung schützen, sobald die Zahl der Mitwisser drei oder vier übersteigt. Deshalb kommen die meisten Verschwörungen über kurz oder lang ans Licht und, da an der Mondlandung, bei "Nine-Eleven" oder wo auch immer, in der Regel deutlich mehr als vier Personen beteiligt waren, kann man aus der Tatsache, dass niemand geplaudert hat messerscharf schließen, dass es auch keine Verschwörung gab. Touche.
                                                                                                                                                             

Jan-Werner Müller, Was ist PopulismusJan-Werner Müller schreibt in seinem Essay (zitiert nach der Ausgabe der "Bundeszentrale für Politische Bildung",S18f, dort jetzt nicht mehr erhältlich):
„Populisten behaupten: ‚Wir sind das Volk!‘ Sie meinen jedoch – und dies ist stets eine moralische, keine empirische Aussage […]: ‚Wir – und nur wir – repräsentieren das Volk.‘ Damit werden alle, die anders denken […] als illegitim abgestempelt.“  und: "Populisten sind zwangsläufig antipluralistisch; wer sich ihnen entgegenstellt und ihren moralischen Alleinvertretungsanspruch bestreitet, gehört automatisch nicht zum wahren Volk." Und, möchte man ergänzen, ist entweder gekauft oder Volksverräter oder gar beides. "Demokratie ist ohne Pluralität jedoch nicht zu haben", woraus er folgert, "dass Populisten zumindest der Tendenz nach antidemokratisch sind".
                                                                                                                                                            
Die meiste Zeit verbringe ich jedoch nicht mit Büchern sondern mit dem Lesen unzähliger Beiträge zu Literatur, Kultur, Geschichte und Politik in diversen Blogs, z.B.:
und natürlich Facebook. 
Nicht zu vergessen der regelmäßige Blick in Spiegel Online.
Meine abonnierten Blogs organisiere und lese ich über den Newsreader feedly, der mir jederzeit alle aktuellen Einträge anzeigt und hilft, nicht die Übersicht zu verlieren. 

Interessante Beiträge lasse ich auf der Originalseite von der Chrome-Erweiterung Clip to Onenote ausschneiden und in meinen OneNote-Ordnern speichern.




Ein idealtypischer Lesetag hat einen einfachen Ablauf: 

Morgens zuallererst Frühstückslektüre mit der Südddeutschen Zeitung, danach einen Blick in SPON und bei Facebook vorbeigeschaut, was es Neues gibt -  bei Freunden und in den Gruppen. Nach 12.00 Uhr blättere ich feedly durch, dabei bleibe ich meistens beim Altpapier und beim Techniktagebuch hängen.

An den Tagen in Darmstadt lese ich die FAZ - natürlich im Cafe.
Erst am Nachmittag und am Abend geht es an die Bücher - und natürlich im Urlaub:








Die meisten Bücher kaufe ich online und bei der Büchergilde Gutenberg (siehe Post 'Lust zu Lesen#1).
Politische Bücher gibt es oft zu einem Spottpreis bei der Bundeszentrale für politische Bildung.





Manchmal kaufe ich auch beim örtlichen Buchhandel. Dort finde ich Hilfe in fast allen Fällen:

Lesen ist ein wesentlicher und beglückender Teil meines Lebens als Pensionär.



Montag, 30. Januar 2017

Lust zu Lesen #2: Wie es weiterging

Sabine hat mich gefragt, welche Bücher mich am meisten beeinflusst haben, bei welchen Büchern es sozusagen geklickt hat beim Lesen und das Bedürfnis entstand, auf Anspruchsvolleres als Pabel-Romane, Hör Zu und Bild am Sonntag umzuschwenken.
Vielleicht damit?

Wie man in der Vergrößerung sehen kann: Eine durchaus produktive Auseinandersetzung mit der Schullektüre!

Nein, es sind nicht die vielen Reclam-Heftchen, die wir im Deutschunterricht der Realschule (damals: Mittelschule) lesen und durcharbeiten müssen.

Und es sind auch nicht die Taschenbücher aus dem Rowohlt Verlag, die ich mir - aus freiwilligen Stücken! - für ein Referat bzw. für eine Abschlussarbeit anschaffe:


Der erste Roman, der mich wirklich umhaut, ist:


Ich bin Lehrling (heute: 'Auszubildender') in Ingelheim, und was mich am meisten am Roman fesselt ist die ungebremste Freiheitsliebe, die aus den atemlos gesprochenen Sätzen Jack Kerouacs spricht, die Lust am ungezügelten Leben und die Möglichkeit, sich einfach auf und davon machen zu können um dieses freie Leben zu genießen. Für einen Laborantenlehrling, der sich jeden Morgen unausgeschlafen am Gestank der Melasseproduktion vorbei zu seinem Arbeitsplatz schleppt, eine naheliegende Reaktion.

Kerouac begann seine Reise 1949, das Jahr meiner Geburt. Ich bin 17, als ich sein Buch lese und will in Zukunft nur noch schreiben wie Jack Kerouac.

In den folgenden Jahren habe ich das Buch immer wieder gelesen und jedesmal fühlte ich mich in meine Jugendzeit versetzt. 

Mit Kerouac beginnt auch das, was ich Lesekreise oder Lesewelten nenne: Nicht nur das einzelne Buch, sondern alles drumherum interessiert mich, und das heißt, möglichst viel aus dem Umfeld abzugrasen um den Autor, seine Freunde und die Welt, in der er sich bewegte, völlig in mich aufzunehmen. 
Jedes Buch soll Stein eines Mosaiks sein, das mir die Welt erklären kann.

Meine Mutter war dann immer wieder erstaunt, welch seltsame Bücher ich mir zu Weihnachten und zum Geburtstag wünschte.
Ein anderes Buch bietet Vorwand meinen Lehrvertrag nicht in einen regulären Arbeitsvertrag umzuwandeln. Mein Laborchef, ein Dr.-Pharmazeut, der in seinem Glaskasten immer die BILD-Zeitung liest, erwischt mich, wie ich während der Arbeitszeit aus meiner Schublade ein sehr anstößiges Buch hervor ziehe  - und schwärzt mich im Personalbüro an:

Monate später wird mir doch ein Arbeitsvertrag angeboten - von meinem hohen Ross herunter lehne ich ab; ich habe schon eine feste Zusage zur Aufnahme im Hessenkolleg Wiesbaden.
Noch als Lehrling muss ich für eine Woche ins Ingelheimer Krankenhaus. Die Mandeln werden herausgenommen. Viel Zeit zum Lesen - und wieder öffnet sich eine neue Welt:


Eine Woche dämmere ich vor mich hin, und wenn ich aufwache gibt es Tee, Eiscreme und Ulysses. In Zukunft will ich nur noch wie James Joyce schreiben.
Jahre später habe ich eine Verfilmung des Romans gesehen, kann mich aber nur noch an den Anfang ('Gravitätisch kam der dicke Buck Mulligan vom Austritt am oberen Ende der Treppe,...') und das Ende ('und ja ich sagte ja ich will ja') erinnern, dazwischen war ich eingeschlafen. Den Roman dagegen habe ich noch dreimal gelesen - immer im Abstand von ca. 10 Jahren.
Ich beginne dann doch nicht wie Jack Kerouac oder James Joyce zu schreiben sondern - die Zeiten sind 1970 so - wende mich einem ganz anderen Genre zu:


Das Lehrbuch wurde mir (mit anderen Büchern) aus Ost-Berlin zugesandt, nachdem ich beim ZK der SED höflich danach gefragt hatte. Die Werke Mao Tse-Tungs kamen direkt aus Peking vom Verlag für fremdsprachige Literatur (zusammen mit ca. 500 Exemplaren der 'Mao-Bibel' in 20 kleinen Päckchen). Ein Buch wurde in einem linken Buchladen "geklauft" und die anderen waren teilweise Raubdrucke, aber auch reguläre Bücher, die man in linken Buchhandlungen kaufen konnte.
Am Hessenkolleg Wiesbaden sollen wir unsere eigene Geschichte anhand dieses Buches reflektieren:
Ich mochte das Buch sehr. Erst später wird mir klar, welch zweideutig, verlogenen Schluss es hat, und von da an meide ich Kant.

Linke Literatur, Arbeiterliteratur, Literatur aus der Volksrepublik China ist das, was mich (und viele andere Stipendiaten am Hessenkolleg) interessiert - und das können wir auch: Arbeitswelt verstehen.


Es hätte so bleiben können, wenn uns nicht der Deutschlehrer gezwungen hätte, über die Sommerferien Dr.Faustus von Thomas Mann zu lesen. 


Der vordergründig betuliche Ton des Buches und seine mäandernde Sprache verstören mich nachhaltig. Ist das jetzt Bildung? Mir wird klar, wie Thomas Mann werde ich nicht schreiben können.

Als ich feststelle, dass die Schullektüre von Heinrich Manns Der Untertan unter meinem Blickwinkel zur marxistischen 'Klassenanalyse' degeneriert, ist es aus mit der marxistischen Literaturtheorie.
Nachhaltig helfen mir dabei Wolfgang Leonhard und Arthur Koestler:

Nach dem Abschluss des Hessenkollegs und mit Beginn des Studiums betrete ich eine neue Lesewelt: Frankreich. Davon später mehr!

Samstag, 28. Januar 2017

Lust zum Lesen #1 Wie alles anfing

Aktualisiert

Ich lese gerne.                                                     

Das ist stark untertrieben, denn ich lese alles gerne. Nichts Gedrucktes bleibt liegen, ohne dass es gelesen worden wäre. Es ist eine Krankheit, unter der ich aber nicht leide.

Ich habe schon immer gelesen. Ich bin auch ziemlich sicher, dass ich lesend auf die Welt gekommen bin. Zumindest erinnere mich nicht an eine Zeit ohne zu lesen.

Die Lust zum Lesen überfällt mich schlagartig. Bücher, Zeitschriften, Zeitungen müssen immer und überall griffbereit sein.

Küche

Schlafzimmer 

Arbeitsplatz

Wohnzimmer I

Wohnzimmer II
Habe ich kein Geld um billige Bücher bei medimops  oder booklooker zu kaufen, hilft manchmal ein Gang vors Haus:

Dort findet man nicht nur Mist (die gesammelten Vorschlagsbände aus dem Bertelsmann Lesering der 50er und 60er Jahre), sondern manchmal auch das eine oder andere Schätzchen (genau hinschauen):


Als Kind lese ich bei meiner Oma regelmäßig am Wochenende die Hör zu , sonntags die Bild am Sonntag und sonst werden die diversen Kataloge vom Baur-Versand, Neckermann, Quelle durchgeblättert. Es gibt immer etwas Neues zu sehen und: zu lesen.
In der Hör zu verfolge ich gespannt meinen ersten Fortsetzungsroman: eine ziemlich wilde Seeräubergeschichte aus der Karibik. Und in der Hör zu gibt es dann auch immer die Bildgeschichten von 'Mecki'; den ein oder anderen Band habe ich auch:


Mein allererstes Buch, an das ich mich noch heute gerne erinnere,  ist aber Zwieselchen  von Werner Bergengruen:

Es gefällt mir so gut, dass ich auch noch einen zweiten Band geschenkt bekomme:

Ansonsten gibt es natürlich die üblichen Märchenbücher: Grimms Märchen und Hauffs Märchen und vor allem: Andersens Märchen:


In den späteren Kindheits- und Jugendjahren kommen dann die Bücher von Hans Hass hinzu: Manta - Teufel im Roten Meer und Unter Korallen und Haien (Danke, Petra! ) und die unvergessenen Sieben Jahre in Tibet von Heinrich Harrer. Letzteres in gekürzter Jugendausgabe (1957):

Das viele Lesen fällt in meiner Verwandschaft auf, deshalb werde ich immer mit Büchern beschenkt, was meine Leseleidenschaft weiter anstachelt.

Mein Mutter ist Mitglied im Bertelsmann Lesering. Also kommt jedes Vierteljahr ein neues Buch ins Haus, der sogenannte Vorschlagsband - und ich werde sie früher oder später fast alle lesen:

Das Erbe von Björndahl, Das Buch von San Michele, So grün war mein Tal, ...,
alles furchtbare Langweiler bis auf eine Ausnahme: Sinuhe der Ägypter! Da gibt es eine verfängliche Szene, die irgenwie von weißen Brüsten oder so handelt und für mich deshalb hocherotisch ist. Seltsam.
(Alle Bücher bekommt man heute noch bei Anbietern wie Booklooker.)

Mit 12 Jahren und auch später schwänze ich sehr oft die Schule. Es wird mir auch nie langweilig, denn: es gibt ja immer was zum Lesen. Eine meiner Tanten arbeitet in einem deutschlandweit bekannten Verlag für höchst anspruchsvolle Literatur und versorgt mich immer mal wieder mit falsch geschnittenen und deshalb unverkäuflichen Produkten des Verlags: Landser, Perry Rhodan, Utopia, Kommissar X und die Fix&Foxi-Hefte. Aus der Katholischen Leihbücherei gibt es Karl May 1-6 (seither kann ich Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abu Abas Ben Hadschi und so weiter fehlerlos aufsagen) und die Indianerromane mit Winnetou und Old Shatterhand.

Mitte 1960 kommen Taschenbücher auf den Markt. Eine Sensation für mich: gute, spannende Bücher zu konkurrenzlos niedrigen Preisen. 
Mein erstes Taschenbuch, von eigenem Geld gekauft!

Die Jahre gehen lesend ins Land. Ich ziehe nach Ingelheim um eine Ausbildung als Chemielaborant zu absolvieren. Wie fast alle Lehrlinge (heute: Azubis) engagiere ich mich in der IG Chemie. Der zuständige Jugendsekretär der IG Chemie legt uns Jugendlichen eines Tages einen Aufnahmeschein für die Büchergilde Gutenberg vor (und noch einen für die SPD); die Werbeprämie - Bücher im Wert von 60DM(!) - dürfen wir behalten, d.h. in Büchern anlegen. 


Wir unterschreiben (beide Anträge!) und mein erstes Buch bei der Büchergilde ist dann:

Dem Konzept der Büchergilde, anspruchsvolle Literatur auch anspruchsvoll zu gestalten bin ich bis heute treu geblieben (der SPD nicht: Austritt 1979 nach dem NATO-Doppelbeschluss).


Zuletzt gekauft:

Sabine hat mich gefragt, welche Bücher mich am meisten beeinflusst haben, bei welchen Büchern es sozusagen geklickt hat beim Lesen und das Bedürfnis entstand, auf Anspruchsvolleres als Pabel-Romane, Hör Zu und Bild am Sonntag umzuschwenken.
Davon später mehr.










Mittwoch, 14. September 2016

Früher war sowieso alles besser (denn wir waren noch jung)

Facebook im September 2016:

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Kommentare

Kerstin K.: der käfer ovales fenster bj circa56 der olimpia kombi ca 55 und ich denke das ist ein opel kapitän ist auch aus der zeit wie die anderen autos ich schätze das bj 59-60 auf jeden fall ist es eine lange zeit her und darmstadt war zu dieser zeit auch viel schöner
Gefällt mirAntworten42 Std.
Reiner Wadel Ja, all die schönen Autos auf dem Marktplatz, Luisenplatz etc.und keine blöden Cafes überall mit Menschen, die nichts zu tun haben und bloß draußen herumsitzen.

Mittwoch, 7. September 2016

3. - 6.9. Urlaub im Schwarzwald

Sie haben die Wahl oder
Im Schwarzwald kann man sich nur schwer verlaufen!

Mal wieder im 'Peterle' um sich ein Wochenende lang verwöhnen zu lassen (koscht halt was). 
Gleich nach den Ankunft am Nachmittag gehen wir auf die erste Tour im Tal der Haslach entlang nach Vorderfalkau zum Wasserfall (gesperrt!), und dann auf dem 'Lenzkircher Weg' und über 'Hochhalde' und 'Gschwann' zum Cafe Seehof am Windgfällweiher und zurück nach 'Hinterfalkau' ins Peterle.



#2
Es lächelt der See, er ladet zum Bade (Schiller, Wilhelm Tell)

Nein tut er nicht, "denn es ischt verbohde":

Wenn Sie jetzt vermuten, dieser "seltene Unterwasserfarn" sei das, was gestandenen Männern an kräftigen Unterschenkeln wuchert, und dass die Obrigkeit im Feldberggebiet einen letzten,verzweifelten Kampf gegen das Aussterben dieses einzigartigen Nachweises kerniger Männlichkeit führt, so täuschen Sie sich:


Puh, das war knapp.

Zum Feldsee sind wir übrigens gekommen weil wir den sog. Feldbergsteig erwandert haben: Wir sind von Falkau über Altglashütten, Zweiseenblick, 

Caritashaus zum Feldberger Hof gewandert und sind dort in den Feldbergsteig eingestiegen (2,5 Stunden).
Der Steig selbst ist neueren Datums, eine Bereicherung des Wandergebietes und unbedingt zu empfehlen ALLERDINGS NUR WENN MAN KONDITION UND FESTES SCHUHWERK BESITZT.


Zurück sind wir vom Feldsee über den Feldseeweg nach Bärental und Falkau.
Insgesamt 7 Stunden, dabei ab der Baldenweger Hütte im stärker werdenden Regen! Aber es hat sich gelohnt



#3
Es geht auch einfach!
Am Tag 3 regnet es vormittags, also machen wir uns erst mittags auf den Weg für eine leichte Tour: Mit dem Auto nach Häusern und dann von dort über einen kleinen Wasserfall nach St.Blasien und über Albsee und Waldlehrpfad zurück nach Häusern.

St. Blasien beeindruckt schon:



Leider mussten wir den Weg etwas verkürzen, da der Aufstieg zur unteren Albtalschanze wegen Waldarbeiten gesperrt war.


Der Waldlehrpfad brachte neue Erkenntnisse:

Jeder Abend wurde mit einem feinen Essen im Peterle abgeschlossen, eine Belohnung für die Mühen des Tages:



Für Sabine gab es immer etwas Vegetarisches zu essen. 
Sabine: "Hier bekommt man als Vegetarier endlich mal richtiges Essen serviert!"


Bier gab es auch:

An einem Abend hatten wir Besuch am Fenster unseres Esstisches:



(Man muss ganz genau in der Vergrößerung hinschauen, dann erkennt man den Hummelschwärmer, der uns beim Essen Gesellschaft leistete.)

Dienstag, 23. August 2016

I Like International Cooking

Menu:

Starter: Caprese (final stage)


Main Menue : Fried Noodle Soup (final stage)


Dessert: Ice Cream (final stage)


And what is your favorite menu?

Sonntag, 7. August 2016

Reiner schaut fern


Samstag, 6.8. bei ARTE: Ein Konzert von Peaches, das vom Sender so angekündigt wird.
PEACHES: SKANDALKONZERT IN PARIS
Zu hören und zu sehen gibt es ziemlich eintönigen Elekrik-Pop-Punk, oder wie immer man das bezeichnen will, und die Protagonistin behängt mit einer Art Gummischlauch, der eine Vagina darstellen soll, Männer mit Schamhaartoupets im Gesicht und einen riesigen, kondomartigen Plastikschlauch, in dem Peaches über dem Auditorium spaziert.
Woody Allen hat in einem seiner Filme anlässlich des Besuchs eines Punkkonzerts ("Dead Kennedys"?) kommentiert:"Gleich nehmen Sie Geiseln".
Beim Ansehen des Peaches-Konzerts in ARTE kam mir spontan der Gedanke: "Gleich kommt der IS und bestraft uns alle."

Radikalität, Grenzenlosigkeit und überschäumendes Temperament mit ihren überwältigenden Shows macht Peaches sogar Iggy Pop alle Ehre. Im Dezember 2015 präsentierte sie ihr sechstes Album "Rub" im Pariser Saal La Cigale.