Dienstag, 17. Mai 2016

Haus der Kunst, München 2016 #3

The Place Where I Lived Before The Great Depression
(Original: James Casebere)




















My Hometown where I dreamed my Little Dreams of Horror When I Was Young
(Original: James Casebere)


Haus der Kunst, München 2016 #2

Sabine and the art to study the arts

Haus der Kunst, München Mai 2016

Me and Marlene Dietrich

Freitag, 13. Mai 2016

Die Vergangenheit, die nie vergeht: Curzio Malaparte

Im April habe ich zwei Bücher eines Autors gelesen, die mich buchstäblich umgehauen haben: Curzio Malapartes Kaputt und Die Haut.




Malaparte (1898 - 1957) war italienischer Faschist, unter Mussolini Redakteur und später als Kriegsberichterstatter auch in Deutschland, Finnland und Russland unterwegs; schließlich, nach der Kapitulation Italiens, Verbindungsoffizier zu den amerikanischen Streitkräften. Mehr zu Curzio Malaparte findet man selbstverständlich bei Wikipedia: Klick


In  Kaputt (1944) findet man erlebte und erfundene Geschichten von den Kriegsschauplätzen in Rumänien, Russland, Polen und Finnland. In Die Haut (1949) berichtet er vom Einmarsch der amerikanischen Armee in Neapel. Beide Bücher wurden schon sehr früh ins Deutsche übertragen.


Was tatsächlich von Malaparte erlebt wurde und was erfunden war, bleibt offen. Manches ist leicht der dichterischen Phantasie zuzuordnen, so in Kaputt ein kurioser Intermezzo mit Himmler in einer Sauna oder abendliche Gelage mit dem Kriegsverbrecher Erich Koch, Chef der eroberten polnischen und unkrainischen Gebiete. Anderes aber nahe an der Wirklichkeit, so der Bericht über ein Pogrom in einem rumänischen Städtchen.

Dass gerade bei letzterem Malaparte nichts erfinden musste kann man einem deutschen Bericht des Gebietskommissars von Sluzk, Heinrich Carl, an den Generalkommissar von Minskaus dem Jahr 1941 entnehmen, der zu einer "Polizeiaktion" des Polizei-Bataillons Nr. 11  Stellung nimmt. 
Der Bericht hat Eingang in den "Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, Nürnberg 14. November 1945 - 1. Oktober 1946" gefunden:Dokument 1104-PS 
Dort heißt es S.6:
»Was im übrigen die Durchführung der Aktion anbelangt, muß ich zu meinem tiefsten Bedauern hervorheben, daß letztere bereits an Sadismus grenzte. Die Stadt selbst bot während der Aktion ein schreckenerregendes Bild. Mit einer unbeschreiblichen Brutalität sowohl von seiten der deutschen Polizeibeamten, wie insbesondere von den litauischen Partisanen, wurde das jüdische Volk, darunter aber auch Weißruthenen aus den Wohnungen herausgeholt und zusammengetrieben. Überall in der Stadt knallte es und in den einzelnen Straßen häuften sich die Leichen erschossener Juden. Die Weißruthenen hatten größte Not, um sich aus der Umklammerung zu befreien. Abgesehen davon, daß das jüdische Volk, darunter auch die Handwerker, furchtbar roh vor den Augen des weißruthenischen Volkes brutal mißhandelt worden ist, hat man das weißruthenische Volk ebenfalls mit Gummiknüppeln und Gewehrkolben bearbeitet. Von einer Judenaktion konnte schon keine Rede mehr sein, vielmehr sah es nach einer Revolution aus.... Abschließend sehe ich mich gezwungen, darauf hinzuweisen, daß von dem Polizeibataillon während der Aktion in unerhörter Weise geplündert worden ist, und zwar nicht nur in jüdischen Häusern, sondern genau so in den Häusern der Weißruthenen. Alles Brauchbare, wie Stiefel, Leder, Stoffe, Gold und sonstige Wertsachen haben sie mitgenommen. Nach Angaben von Wehrmachtangehörigen wurden den Juden öffentlich auf der Straße die Uhren von den Armen gerissen, die Ringe in brutalster Weise von den Fingern gezogen. Ein Oberzahlmeister erstattet die Meldung, wonach ein jüdisches Mädchen von der Polizei aufgefordert worden sei, sofort 5000 Rubel zu holen, dann würde ihr Vater freigelassen. Tatsächlich soll dieses Mädchen überall umhergelaufen sein, um das Geld zu besorgen.«
Und weiter: 
"Bei der Erschießung vor der Stadt bin ich nicht zugegen gewesen. Über die Brutalität kann ich daher nichts sagen. Es dürfte aber auch genügen, wenn ich hervorhebe, daß Erschossenene längere Zeit nach Zuwerfen der Gräben sich wieder herausgearbeitet haben." (S.7)
Quelle: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof (...), Band 27 : Urkunden und anderes Beweismaterial, Nr. 1104-PS bis Nr. 1739-PS.-- Nuremberg International Military Tribunal 1948. S.1-8
Verhandlungstext im Internet mit Auszügen der Dokumente: Klick


Ebenfalls souverän die Grenze zwischen Realismus und Surrealismus verwischend, den Leser mal verwirrt, mal ärgerlich, aber immer fassungslos zurücklassend ist sein Roman "Die Haut", der insbesondere die Neapolitaner erzürnte: 
"Einstimmig hat das Stadtparlament von Neapel den Verfasser Curzio Malaparte in Acht und Bann erklärt. Wegen böswilliger Verleumdung einer Millionenstadt."
DER SPIEGEL 10/1950 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44447702.html

Auch hier Erfundenes, Erlebtes, Ungeheures, ein artistisches Spiel mit dem Schrecken, rücksichtslos zynisch, schonunglos selbstkritisch bis hin zur Selbstzerstörung - aber alles in allem ein großartiges Stück Literatur, mit Szenen wie von Goya oder Hieronymus Bosch gemalt, realistisch und grausam wie die Wirklichkeit.

Malaparte schreibt im Vorwort zur ersten deutschen Ausgabe von Kaputt: "Wie wird also dieses mein Buch jetzt in Deutschland aufgenommen werden? Es wird nicht nur als das aufgenommen werden, was es wirklich ist, nämlich ein antinazistisches Buch, sondern auch als das, was es nicht ist, nämlich ein antideutsches Buch". 
Im Nachwort zur neuen Ausgabe heißt es, Friedrich Sieburg habe bestritten, dass es kein antideutsches sondern ein antinationalsozialistisches Buch sei. Diese Behauptung ist so sicher falsch, wie sie für den ehemaligen Nazi Sieburg verständlich ist.

Ich kenne nur zwei wirkliche Antikriegsbücher: "Die Haut" und "Kaputt".

Fußnote
Malaparte wurde europaweit verklagt für Aussagen aus seinen Büchern Kaputt und Die Haut; einen kuriosen Prozess gab es auch 1953 vor dem Karlsruher Amtsgericht: Malapartes Visionen


Ein Nachtrag zu Curzio Malaparte http://reinerw.blogspot.de/2017/06/gelesen-ein-nachtrag-zu-curzio-malaparte.html 

Donnerstag, 12. Mai 2016

Bevor ich Katzenbilder poste

oder Aufrufe zur Unterstützung von Hunden, die in spanischen Tierheimen dahinvegetieren, verbreite ich lieber das:
Razzien, Demos, Rücktritte: Die Panama Papers haben weltweit enorme Reaktionen ausgelöst. Nun meldet sich "John Doe", die anonyme Quelle der…
SUEDDEUTSCHE.DE|VON SÜDDEUTSCHE.DE GMBH, MUNICH, GERMANY


Im Text heißt es " Auch wenn Briefkastenfirmen nicht per Definition illegal sind, dienen sie dazu, eine Bandbreite von Verbrechen zu begehen, die weitaus schlimmer sind als Steuerhinterziehung",
und sinngemäß: Die Rechtsanwaltskanzlei Mossack Konseca, die hinter den Panamapapers steht, ist eine kriminelle Vereinigung.

Mittwoch, 20. April 2016

Heidelberg hat was

was andere Städte nicht haben: Eine "lange Nacht" bis 22 Uhr!

„smile“-Emoticon


Stefan Gerhardt ... und besondere Lokalitäten, z.B. für pensonierte Lehrer;-)
Reiner Wadel Mit Rollator und Navi für den Heimweg?

Zwei Charakterköpfe...

geben sich die Ehre:

Aytaç Sulu, Kapitän beim SV 98 Darmstadt, neben ihm ein älterer Fan der 98er.



Sozialismus Made in China 2016

Einholen, aber nicht überholen:




Dienstag, 19. April 2016

Noch ein Nachtrag zu 'Element of Crime'

Kaffee und Karin

Kaffee und Karin
Birgit und Bier
Jammern und Picheln im Gartencafé
Worte und Weißwein
Torte und Tier
Und nur wenn ich lachen muss,
und nur wenn ich lachen muss, tut es noch weh.

heißt es im selbigen Lied. (Hier bei Youtube: Klick)

Wer sich immer mal wieder gefragt hat, wer diese Birgit ist: Es ist Birgit Kraft aus Rothaus:

Mehr Info zu Birgit Kraft gibt es dort: Klick





Sonntag, 10. April 2016

Von wegen Lisbeth - Element of Crime!

Wir lassen uns überraschen

Sabine und ich gehen sehr selten zu Konzerten von Bands, aber zwei Events lassen wir nie aus: Bob Dylan und Element of Crime.
Letztes Jahr waren wir bei "The High Bobness" in Mainz, jetzt geht es zu EoC nach Mannheim:
(Randbemerkung: Das Ticket enthält im Prägedruck das chinesische Zeichen Ping 平 , was alles mögliche heißen kann: eben, platt, flach. Keine Ahnung, was das in diesem Zusammenhang bedeuten soll.)

Ich habe Element of Crime in den frühen Nuller-Jahren in Berlin zum ersten mal gesehen und gehört. Da waren sie schon über 10 Jahre im Geschäft, aber mir nur dem Namen nach bekannt. Um so größer damals die Überraschung, dass ich nicht auf eine Rockband traf sondern auf eine Gruppe mit - vorwiegend deutschen -  Liebesliedern. 
Schon damals für mich eine Überraschung: Der Kopf der Gruppe - Sven Regener - kann sogar Bücher schreiben! Heute noch ein gern gelesenes Schätzchen: Herr Lehmann - wenn man so will, ein Berliner Kreuzberger Milieu- und Wenderoman ("Beim Schweinebraten wird die Kruste allgemein überschätzt!"):


Unvergessen die Verfilmung des Romans mit Christian Ulmen als Herr Lehmann und Detlev Buck als durchgeknallter Künstler. Seit diesem Film sind für mich Christian Ulmen und Herr Lehmann eine identische Person.


Sven Regener hat noch weitere Bücher geschrieben (Amazon) - und alle stehen bei uns im Regal. Aber der Hit ist immer noch Herr Lehmann.


Meine ersten Lieblingslieder von EoC waren: "Alle vier Minuten"
(hier in einer sehr schönen Version von Michael Ellis: Youtube) 
und "Bring den Vorschlaghammer mit":



Später kam "Delmenhorst" dazu, bei dem ich sogar den Refrain mitsingen kann:



Aktuell ist die CD "Lieblingsfarben und Tiere", die wir uns immer wieder anhören.

Den titelgebenden Song gibt es ebenfalls bei Youtube:

  


Schön dass Du persönlich an der Tür die Klingelleitung testest,
Du hast Recht, da ist technisch nicht alles 1a.
Im Schwachstromsignal-Übertragungsweg gibt es Durchleitungsprobleme,
doch wer wirklich zu mir will, kommt damit klar.

Den ganzen Songtext findet man hier: (Klick), und eine Textanalyse auf der Seite 
"Deutsche Lieder": Loblied auf die Soziophobie. “Lieblingsfarben und Tiere” von Element of Crime.
(Eigenauskunft auf der Seite: “Deutsche Lieder” ist eine Online-Anthologie von Liedtextinterpretationen. Liedtexte sind die heute wohl meistrezipierte Form von Lyrik, aber zugleich eine in der Literaturwissenschaft vergleichsweise wenig beachtete")

Ebenfalls als Video ein ganzes Konzert (Freiheitshalle München):



Die Setlist enthält nahezu alle bekannten Titel, die vor "Lieblingsfarben und Tiere" erschienen sind:
0:00 Mittelpunkt der Welt
7:05 Deborah Müller
12:15 Delmenhorst
16:27 Still wird das Echo sein
20:00 Nightmare
25:42 Jetzt musst du springen
28:44 Immer da wo du bist bin ich nie
32:00 Weißes Papier
36:10 Draußen hinterm Fenster
40:28 Surabaya Johnny
44:29 Blaulicht und Zwielicht
48:02 Moonlight
54:01 Bring den Vorschlaghammer mit


Und wie war es jetzt in Mannheim?

Das Konzert war (wieder mal) toll! Viele bekannte Songs, sehr schöne Stimmung, eine röhrende Stimme von Sven Regener und eine Lightshow, die die Musik unterstützte und nicht von ihr ablenkte. 


Sven Regener war sehr aufgeräumt (Mannheim ist die erste Station einer längeren Frühjahrstour), wirkte wie unter Strom, hatte aber die ganze Zeit nur 1 Glas Bier getrunken - Respekt! 
Man sparte nicht mit Zugaben. So weit war alles gut.
Das einzige,was mich etwas störte war die Trompete bzw. das Saxofon vom Band, das bei einigen Songs eingespielt wurde und (noch) nicht immer den Punkt traf. Nun ja.
Großer Irrtum: Wie man auf Photos hier sehen kann, gab es tatsächlich einen 2. Bläser!


Überraschung!

Aber die eigentliche Überraschung waren 5 Jungs aus Berlin, die als Vorgruppe auftraten und von Sven Regener wohlwollend vorgestellt wurden: Von Wegen Lisbeth.

Die Band hat eine typische Geschichte ihrer "Entdeckung":
Berliner Band "Von Wegen Lisbeth" landet Facebook-Hit
www.hna.de
23.09.2015 - Wer ständig Essen bei Facebook postet, nervt: Mit ihrem Hit "Sushi" hat die Berliner Band Von Wegen Lisbeth einen Hit gelandet. ...



Die Jungs waren frisch, heizten richtig ein und überzeugten mit witzigen Songs und sauberer Darbietung. Eine gelungene Ergänzung für EoC.
Sabine meinte danach: "Über die heutige Jugend müssen wir uns keine Sorgen machen!

Also insgesamt ein gelungener Abend, der die Anreise nach Mannheim lohnte.
(Nur das Stehen, einen ganzen Abend lang.... Man wird halt doch älter und das galt für viele Konzertbesucher)


Nachtrag 1:

Im Online-Magazin "regioactive.de" ist ein Bericht zum Mannheimer Konzert erschienen:

Nachtrag 2: 

"Von Wegen Lisbeth" sind am Donnerstag, 26. Mai beim Darmstädter Schlossgrabenfest zu sehen und zu hören.
Hier die sonstigen Auftritte bis zum Oktober: Klick 
Die Band ist auch bei facebook.