Donnerstag, 7. September 2017

Mayday, Mayday, Mayday - aktualisiert

(Bullington Club 2, Class of '87: David Cameron; 8: Boris Johnson)

Über die Qualität der englischen konservativen politischen Klasse kann man sich nur wundern:
Ein Premierminister (Cameron), der ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU durchsetzt um sich innerparteilicher Gegner zu entledigen, selbst aber für den Verbleib in der EU eintritt, die Abstimmung verliert und deshalb zurücktreten muss.

Ein Bürgermeister von London (Johnson), der die Front der Brexit-Befürworter anführt, aber nach dem Sieg sagt: "Danke, Jungs. War schön mit euch!" und sich aus dem Staub macht. Und dann als Außenminister wieder auftaucht, aber keine Ahnung hat.

Ein härtester Kämpfer für den Austritt (Nigel Farage), der nach dem Sieg den Parteivorsitz niederlegt und sich ausgerechnet ins Europaparlament zurückzieht.

Und eine Ministerin (Theresa May), die öffentlich gegen den Brexit auftritt - aber nicht zu oft und nicht sehr laut, zu den Verlieren also zählt, und nach der Niederlage das Amt des Premier Ministers übernimmt, im sicher geglaubten Aufschwung eine vorzeitige Neuwahl ansetzt, die absolute Mehrheit verliert und nun vom Wohlwollen einer kleinen, reaktionären Regionalpartei (DUP) abhängig ist, die am liebsten den Sexualverkehr am Sonntag abschaffen möchte.

Die Zügel fest in der Hand, der Karren im Dreck. Mal sehen, wann sich die Königsmörder aus der Kulisse trauen.

Mir tun die Briten leid: Nicht nur warmes Bier, dürftiges Essen, schlechtes Wetter und immer wieder versiebte Elfemeterduelle, sondern auch noch eine konservative politische Klasse, geprägt von Volltrotteln.


Zum Bullington Club: http://www.dailymail.co.uk/news/article-435875/Camerons-cronies-Bullingdon-class-87.html


Ein Nachtrag:

Die Süddeutsche Zeitung vom 1.9.2017 charakterisiert "das aus May, Johnson, Davis und Fox bestehende Quartett der Ahnungslosen" wie folgt:

  • May, eine Politikerin, die, laut Evening Standard, vorwärts taumele wie 'eine lebende Tote in einem zweitklassigen Horrorfilm';
  • Johnson, der größte Opportunist in ganz Westminster, hat sich für den Posten des obersten Diplomaten als ungeeignet erwiesen, den weder seine internationalen Kollegen noch seine Beamten erst nehmen. Selbst im an schrägen Figuren nicht armen Weißen Haus hält man ihn 'für einen Witz';
  • David Davis, Brexit-Minister, zeichnet sich vor allem durch Faulheit aus, der nur an drei bis vier Tagen in der Woche arbeitet und an Wochenenden mit dem Hinweis auf das fehlende Handynetz nicht zu erreichen ist, was für die SZ 'nicht optimal' erscheint;
  • Liam Fox, für die neuen Handelsabkommen mit der EU verantwortlich, äußerte, 'man werde die Panzer auf dem Rasen der EU parken und meinte damit, dass es künftig einen Infostand am Eurostar-Bahnhof in Brüssel geben soll, der für britische Exporte wirbt.

Ich stimme dem aus vollem Herzen und selbstverständlich in absoluter Unbefangenheit und ganz ohne Häme vollständig zu.


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