Sonntag, 21. Mai 2017

Was die Hausfrau noch wusste #1

Achselschweiß bekämpft man am einfachsten 
mit Klopapierrollen. Je nach Stärke eine kleine 
oder große Rolle benutzen.
Tipp: Klopapier im Sommer vorrätig halten.
Haben Sie auch einen wertvollen Tipp?


Mittwoch, 17. Mai 2017

La France, Französisch and Me - Wie es weiterging

Nichts leichter als Französisch: 1970-72


Ich besuche das Hessenkolleg Wiesbaden und möchte Abitur machen. Im 3.Semester beginnt Französisch als verpflichtende 2.Fremdsprache. Das macht Spaß: Wir haben zwar ein Lehrbuch ('Salut'), aber im gesamten Halbjahr sprechen wir nur Sätze dem Lehrer nach, 'unterhalten' uns auf Französisch und müssen nichts schriftlich machen. Super!

Im 4.Semester beginnen wir zu lesen und zu schreiben, aber ich habe andere Interessen: Linke Politik und vor allem - China! Deshalb schwänze ich den Französisch-Unterricht sehr häufig - und im 5.Semester habe ich den Anschluss völlig verloren.

Ich bekomme mein Abitur nur unter der Voraussetzung, dass ich mich einer 'Feststellungsprüfung' stelle in der ich beweisen muss, dass ich über ausreichende Kenntnisse der französischen Sprache verfüge. Die Aufgabe: Ich soll in 4 Wochen Kenntnisse bis Kapitel 16 im Lehrbuch in einer mündlichen Prüfung nachweisen. Nichts leichter als das - denn ich bin schlau!

Ich setze mich zu Hause hin und lerne das 16. Kapitel auswendig, immer und immer wieder. Ich lese, repetiere und übersetze, Tag für Tag. Am Prüfungstag sitzen nicht nur die Prüferin mir gegenüber, sondern alle Französisch-Lehrer und alle Lehrer, die mich sonst unterrichten.

Die Prüfung beginnt wie erwartet. Ich soll Kapitel 16 aufschlagen und lesen. Klappt! Dann soll ich den Text übersetzen - klappt auch. Dann stellt die nette Lehrerin mir Fragen - und jetzt klappt überhaupt nichts mehr. Ich verstehe kaum einen Satz, kann deshalb kaum korrekt antworten und verwechsle vor Aufregung Elle und Il und noch manch anderes. Eine Katastrophe. Ich werde hinausgeschickt, weil das Urteil gefällt werden muss. Es dauert.

Ein Französisch-Lehrer kommt heraus: "Wenn SIE Abitur bekommen, wandere ich aus!". Ein anderer Lehrer: "Besorgen Sie schon mal einen Strauß Blumen, ihre Lehrerin kämpft wie eine Löwin für Sie!"

Nach langer, sehr sehr langer Zeit endlich der Beschluss der Prüfungskommission: Note 4, damit Abitur bestanden! Yep!

Der aufgebrachte Französisch-Lehrer hat sich später tatsächlich nach Algier versetzen lassen.

Nach dem Abitur verbringe ich meinen ersten Urlaub in - Frankreich. Meiner Lehrerin schicke ich eine nette Karte aus Paris und bedanke mich herzlich für ihren Einsatz - natürlich auf deutsch.
In den folgenden Jahren gibt es kaum einen Sommer, in dem ich nicht Urlaub in Frankreich mache.

Nachtrag: Das damalige Buch 'Salut' hatte ein anderes Titelbild: Irgend etwas Schwarz-Weißes.

1975: Es geht auch ohne


Was in den 60er Jahren noch kaum denkbar war, ist ab den späten 70er Jahren plötzlich im Elsass normal: Man versteht Deutsch!

Deutsche kaufen im Elsass ein. Die Supermärkte sind größer und das Angebot ist exotischer im Vergleich zu Deutschland: Käse, der ausgereift ist, Maronencreme, Tomaten groß wie ein Ochsenherz und wunderbare Törtchen in den Konditoreien.

Aber auch Kochtöpfe und Pfannen von Schneider Creusot und Campingartikel von Camping Gaz reizen zum Kauf. Es lohnt sich sogar für eine Autoreparatur von Darmstadt nach Hagenau zu fahren, weil man dabei viel Geld sparen kann.
Der Wechselkurs ist einfach unwiderstehlich.

Die Deutschen sind zahlungskräftige und deshalb willkommene Kunden und die Grenze ist praktisch offen. Ich lerne sehr schnell: Wirtschaftliche Interessen verbessern enorm die Verständigung zwischen Völkern.

Wer braucht eigentlich Französisch?


Und dann kam Schengen


1992 fahre ich mit meinem Sohn über Belgien und Frankreich an die Kanalküste,
ohne dass uns bewusst wird, dass wir zwei Grenzen überschritten haben. Kontrollen: Null.

In Calais setzen 
wir mit der Hovercraft-Fähre nach England über. Bei der Ankunft in Dover werden wir dann ausgiebig gefilzt, weil die englischen Grenzbeamten nicht glauben wollen können, dass ein Mann mit einem 12-jährigen Kind und ohne Rückfahrkarte nicht die Insel erobern, sondern nur Urlaub machen will. 
Ich verstehe die Sprache super, aber nicht die Kontrolle.

An der Grenze gibt es einen Streik der französischen LKW-Fahrer, der zu langen Staues auf beiden Seiten des Kanals führt. Die englische Presse ist 'not amused', wie man auf der Karikatur sehen kann.

Zum ersten mal fühle ich mich den Franzosen ganz nahe: Sonst wurden nur die Deutschen so gnadenlos durch den Kakao gezogen, jetzt sind wir im gleichen Topf.
Vive l'amitié franco-allemande!

Paris 2014:


Mit 16 Schülern und Schülerinnen bin ich 1 Woche in Paris. Ich brauche 17 Metrotickets.
Am Schalter der Metro-Station geht das so:
Ich: "Bonjour, Je besoin dix-sept tickets pour le metro."
Sie: "Sie können Deutsch mit mir reden."
??? !!!

2017: Ich liebe weiterhin die französische Literatur, die Kultur, das Land und die Leute, aber:


Freitag, 12. Mai 2017

La France, Französisch and Me - Eine Geschichte von 60 Jahren #1

Mein Frankreich und ich - ein kompliziertes Verhältnis


In keinem Land habe ich so viele Urlaube verbracht wie in Frankreich. Keine andere ausländische Stadt habe ich so oft besucht wie Paris. Ich kenne den Norden Frankreichs, die Normandie (Grüße nach Dieppe!), das Zentralmassiv, die Bretagne, war an der Atlantikküste, in den Pyrenäen, an der Loire, der Ardèche und auch an der Rhône. Sabine und ich haben schon Urlaub am Atlantik gemacht, waren im Süden in Marseille, Avignon und Arles, auch am Genfer See. Und im Elsass war ich schon als Schüler.

In meiner Kindheit spielte ich mit Kindern aus deutsch-französischen Familien, ich hatte mich als Schüler in eine bezaubernde Französin verliebt und hörte französische Musik. Bevor ich noch lesen konnte hatte ich schon ein Französisch-Lehrbuch in der Hand und als ich es richtig gut konnte und alt genug war, las ich Sartre 'Die Wörter'.

Alles hätte so einfach sein können, wurde es aber nicht, denn - ich kann kein Französisch!
Und das kam so:

Mein Frankreich und ich: 1963





Ich wohne in Rastatt, rechts des Rheins, bin in der 7. Klasse der Mittelschule (Realschule) und meine Englisch-Note ist so schlecht, dass ich nicht Französisch als 2. Fremdsprache wählen darf. Und wir wohnen nur 5km von der französischen Grenze entfernt.

Damit hätte mein Verhältnis zu Frankreich und zur französischen Sprache schon beendet sein können, aber dem war nicht so, denn es gibt eine überraschende Vorgeschichte und es folgt noch manch anderes danach.

Die Vorgeschichte: 1945ff




Meine Mutter ist bei Kriegsende 20 Jahre alt und arbeitet im französisch besetzten Baden-Baden bei verschiedensten französischen Dienststellen: Hotels, Pensionen, Privatfamilien. In Baden-Baden wohnen 1945 und danach 30 000 Deutsche und ca. 45 000 französische Besatzungsangehörige mit Familien.

In dieser Zeit lernt meine Mutter einen Haushalt zu führen und richtig, d.h. französisch zu kochen, was sich später sehr förderlich auf mein Verhältnis zu meiner Mutter auswirkte. (Ihre Mutter, meine Oma, verfügte über diese Kochkunst leider nicht und konnte vermutlich deshalb mein Herz nie so richtig erwärmen.)
Und sie hat einen französischen Freund, Robert, aber nur für eine kurze Zeit, denn er wird nach Indochina versetzt und die Beziehung bricht ab.

Meine Tante ist mit einem französischen Besatzungssoldaten verheiratet und hat mit ihm einen Sohn der einen französischen Vornamen trägt, aber nur mit dem deutschen Namen gerufen wird. Die Ehe wird später geschieden.

In unserer Nachbarschaft wohnen viele Familien, deren Töchter in Frankreich verheiratet sind. Noch Jahre später kommen sie anlässlich der hohen Feiertage mit ihren Männern und Kindern aus Frankreich zu Besuch. Ich spiele in den 50er-Jahren zweisprachig mit deutsch-französischen Kindern, ich beneide sie um ihre schönen Schreibhefte mit den feinen Linien und später lese ich mit ihnen 'Salut les Copains', höre französische Schlager und abends die Hitparade auf dem gleichnamigen Sender.
Ich lerne auch die ersten französischen Ausdrücke: 'sales boche' und 'ta gueule'.

Das ist für mich alles total normal und für jemand aus einem anderen Teil Deutschlands wahrscheinlich ziemlich merkwürdig.

Meine Mutter erzählt mir, dass sie nach dem Krieg am liebsten nach Frankreich gegangen wäre, 'um richtig leben zu können'. Sie habe auch begonnen französisch zu lernen - und ich erinnere mich dunkel, dass ich als kleines Kind, als ich gerade so ein wenig lesen konnte, aus Langeweile immer wieder ein Buch durchblätterte, mit fremden Zeichen und schwarz-weißen Zeichnungen, die ich später als 'Roland' und 'Charlesmagne' identifizierte. Das war das Französisch-Lehrbuch meiner Mutter.

In der Mittelschule hat mir das alles leider überhaupt nichts genützt. Ich musste mich darauf beschränken, englische Texte zu lesen und zu übersetzen - und das war sicher eine weise Entscheidung meines Lehrers, wie - Jahre später - eine andere Episode meines Kampfes mit der französischen Sprache zeigen wird.

Mein Frankreich und ich: Marie-Jo



Die Winter in den frühen 60er Jahren sind alle sehr streng, der See im Stadtpark ist regelmäßig zugefroren und ich bekomme (anklemmbare) Schlittschuhe gekauft und zu Weihnachten 1963 oder 1964 sogar einen Eishockeyschläger mit Puck.

Jeden Tag sind wir auf dem Eis - und dort lerne ich Marie-José, genannt Marie-Jo, kennen.
Sie ist Französin, wohnt in der Nähe des Stadtparks und geht auf das Lycée Charles-de-Gaulle in Baden-Baden. Sie ist das schönste Mädchen auf der ganzen Welt, mit einer spitzen Nase und halblangen blonden Haaren. Wie Francoise Sagan aus 'Salut Les Copains'.
Ich lerne jetzt mehr Französisch. Jeden Nachmittag warte ich an der Straße bis ihr Schulbus passiert, dann renne ich in unsrer Wohnung, schnappe mir die Schlittschuhe - und ab in den Stadtpark:
Ich: Salut!
Sie: Salut!
Ich: Ca va?
Sie: Ca va bien, et toi?
Ich: Kalt isch! (für Nicht-Badener: Es ist kalt!)
Wie fahren nebenher, lächeln uns an und verabreden uns wieder für den nächsten Tag.
Mehr Französisch braucht es nicht.

Oder vielleicht doch? Nach der Schlittschuhsaison macht sich Marie-Jo rar. Ihre Freundinnen, die ich mittlerweile kennen gelernt habe, finden mich sehr süß, genauer: Sie himmeln mich an. Sie meinen: Marie-Jos Vater ist Offizier. und nicht sehr erfreut, wenn sie mit einem deutschen Jungen ankommt.
Schreiben kann ich ihr leider nichts, deshalb lasse ich Grüße ausrichten; ob sie je angekommen sind?

Mein Interesse an Frankreich und der französischen Sprache lässt stark nach. Ist aber noch nicht erloschen.

Es geht nicht ohne


Wir sind 14, 15 , 16 Jahre alt, also in den frühen 60er Jahren, und fahren in den Ferien immer wieder mal rüber ins Elsass. Die Grenze ist nah und mit dem Fahrrad ist das alles kein Problem.

Wir sind gerne im Elsass, denn dank des Umrechnungskurses sind Zigaretten extrem billig und Elsass ist Ausland, das ist schon mal eine Nummer.

Wir können aber kein Französisch. In den Kneipen, in denen wir gerne ein Panasch (für den Nicht-Badener: Alsterwasser, Radler) trinken wollen, wird zwar elsässisch gesprochen, das wir als Badener gut verstehen, aber sobald man uns als Deutsche erkennt, spricht man nur noch Französisch.

Das geht dann so:
"Drei Panasch bitte!"
"Panaché? Voila."

Wir sind zufrieden. Französisch ist gar nicht so schwer.

(Und wie es weiterging: hier)